SR-9009 (Stenabolic)
PharmazeutikumZuletzt geprüft am 1. Juni 2025 von SupStaq
Kein medizinischer Rat. Diese Inhalte dienen der allgemeinen, evidenzbasierten Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Die große Diskrepanz ergibt sich daraus, dass die medizinische Evidenz ausschließlich präklinisch ist (kein einziger humaner RCT) [s7], während ein Teil der Community von subjektiven Ausdauereffekten berichtet [c1, c2]. Subjektive Berichte ohne Kontrolle durch Placebo und die bekannte niedrige orale Bioverfügbarkeit [s6] lassen viele Community-Ergebnisse als Placebo-Effekt erscheinen.
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TL;DR
SR-9009 hat keine einzige humane Studie – weder zur Wirksamkeit noch zur Sicherheit – und eine orale Bioverfügbarkeit von ca. 2,2 % beim Nager, was eine klinisch relevante Wirkung durch Kapseln beim Menschen äußerst unwahrscheinlich macht. Das Risikoprofil ist erheblich: theoretische Hepato- und Kardiotoxizität, Störungen des zirkadianen Rhythmus und eine WADA-Sperre seit 2022. Community-Berichte über Wirksamkeit stammen fast ausschließlich von injizierbarer Applikation – einem Applikationsweg, der eigene, erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich bringt. SR-9009 ist eine der Substanzen, bei denen das Verhältnis von Evidenz zu Risiko am ungünstigsten ist; von einer Anwendung ist klar abzuraten.
Beschreibung
SR-9009 ist ein synthetischer REV-ERBα/β-Agonist, der ausschließlich in Tier- und Zellstudien untersucht wurde. Keine humanen klinischen Daten verfügbar [s2, s3].
SR-9009 (Stenabolic) ist eine synthetische Kleinmolekül-Verbindung, die ursprünglich vom Pharmakologen Thomas Burris entwickelt wurde. Sie wirkt als Agonist an den nukleären Rezeptoren REV-ERBα und REV-ERBβ, die eine Schlüsselrolle bei der Regulation des zirkadianen Rhythmus, des Glukose- und Fettstoffwechsels sowie der Mitochondrienbiogenese spielen [s2, s4]. Trotz intensiver Vermarktung als „Ausdauer-SARM" ist SR-9009 kein selektiver Androgenrezeptor-Modulator (SARM), da es keine Androgen-Rezeptoren anspricht [s5]. In Tierstudien wurden Effekte wie erhöhte Stoffwechselaktivität, reduzierte Fettmasse und verbesserte Ausdauerleistung beobachtet [s3, s4]. Diese Ergebnisse konnten bisher nicht am Menschen repliziert werden. Ein fundamentales Problem ist die extrem niedrige orale Bioverfügbarkeit: Laut Pharmakokinetikuntersuchungen der Burris-Gruppe betrug die orale Absorption bei Mäusen nur ca. 2,2 % der verabreichten Dosis [s6]. Es liegen keine humanen klinischen Studien, keine humanen pharmakokinetischen Daten und keine humanen Sicherheitsdaten vor [s7]. SR-9009 steht seit mindestens 2022 auf der WADA-Verbotsliste unter Rev-ErbA-Agonisten [s1]. Eine PNAS-Studie aus 2019 ergab zudem, dass SR-9009 erhebliche REV-ERB-unabhängige Effekte auf Zellproliferation und Stoffwechsel hat, was auf unkontrollierte Off-Target-Wirkungen hinweist [s8]. SR-9009 wird online als Kapsel oder injizierbares Präparat vertrieben, obwohl keine humane Sicherheitsprüfung stattgefunden hat [s7].
Rechtlicher Status (DE)
SR-9009 ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und wird als Forschungschemikalie eingestuft. Der Verkauf für den menschlichen Verzehr ist nicht legal. SR-9009 steht seit 2022 auf der WADA-Verbotsliste (Rev-ErbA Agonisten) und ist bei Wettkampfsportlern verboten [s1, s9].
Wirkmechanismus
SR-9009 bindet selektiv an die Liganden-Bindungsdomäne der nukleären Rezeptoren REV-ERBα und REV-ERBβ und aktiviert diese als Agonist [s2, s4]. REV-ERBα und -β sind transkriptionelle Repressoren, die als Teil der molekularen Uhr zirkadiane und metabolische Zielgene regulieren [s2]. Durch Aktivierung von REV-ERBs werden folgende nachgelagerte Effekte in Tierstudien beschrieben [s3, s4]: - Hemmung der de-novo-Lipogenese und Cholesterin-/Gallensäuresynthese in der Leber - Erhöhung des mitochondrialen Gehalts sowie der Glukose- und Fettsäureoxidation im Skelettmuskel - Reduktion der Fettspeicherung im weißen Fettgewebe - Beeinflussung des zirkadianen Rhythmus und Schlafarchitektur Die erhöhte Ausdauerleistung in Mäusen wurde mit einer gesteigerten oxidativen Kapazität im Skelettmuskel assoziiert [s3]. REV-ERBα reguliert zudem das Gen, das die Fettspeicherung steuert, und hemmt dessen Expression [s4]. Eine PNAS-Publikation von 2019 zeigte, dass SR-9009 erhebliche REV-ERB-unabhängige Effekte besitzt, darunter Anti-Proliferations-Wirkungen auf Krebszellen und Seneszenz-Induktion, was auf komplexe Off-Target- Pharmakologie hinweist [s8]. Die praktische Relevanz der Tierversuche für den Menschen ist wegen der extrem niedrigen oralen Bioverfügbarkeit von ca. 2,2 % (Maus) stark eingeschränkt [s6].
Dosierung
Ausdauersteigerung (nicht-klinisch, Community-basiert)
- Dosis
- 20–30 mg/Tag, aufgeteilt auf 3 Einzeldosen
- Frequenz
- 3× täglich alle 4 Stunden
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- 4–8 Wochen (Community-Angabe, keine klinische Basis)
- Timing
- Letzte Einnahme ca. 1 Stunde vor Training
- Nahrungsaufnahme
- optional
Injizierbares Protokoll (Community, nicht-klinisch)
- Dosis
- 10–20 mg/Tag subkutan oder intramuskulär
- Frequenz
- 1× täglich morgens
- Verabreichung
- injektion-subkutan
- Dauer
- 4–8 Wochen (Community-Angabe)
- Timing
- Morgens, möglichst weit vor der Schlafenszeit
- Nahrungsaufnahme
- optional
Kein etablierter oberer Grenzwert, da keine humanen klinischen Daten existieren [s7]. Community-Berichte nennen maximal 40 mg/Tag, jedoch ohne Sicherheitsnachweis [c1].
Orale Bioverfügbarkeit beim Tier liegt bei ca. 2,2 % [s6]; eine klinisch relevante Wirkung durch orale Einnahme beim Menschen ist nicht belegt. Alle Dosierungsangaben entstammen unkontrollierten Community-Berichten und sind ohne klinische Validierung [c1, c2, c3].
Nebenwirkungen
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Schwere |
|---|---|---|
| Lebertoxizität (hepatotoxisches Potenzial) In Tier- und In-vitro-Studien beobachtete metabolische Effekte auf die Leber sowie Off-Target-Wirkungen lassen ein hepatotoxisches Risiko vermuten [s8, s10]. Keine humanen Daten verfügbar. | theoretisch | schwer |
| Herzschäden / kardiovaskuläre Risiken REV-ERBα beeinflusst kardiale zirkadiane Rhythmen; unkontrollierte Aktivierung durch SR-9009 könnte kardiale Rhythmusstörungen begünstigen. Kein direkter Humanbeweis, theoretisch aus Tierdaten abgeleitet [s10]. | theoretisch | schwer |
| Hypoglykämie (niedriger Blutzucker) SR-9009-Analoga zeigten stärkere hypoglykämische Aktivität als SR-9009 selbst in Mäusen; ein Hypoglykämierisiko durch metabolische REV-ERB- Aktivierung ist nicht auszuschließen [s10]. | theoretisch | moderat |
| Störungen des zirkadianen Rhythmus / Schlafarchitektur REV-ERBα/β sind direkte Komponenten der molekularen Uhr; pharmakologische Überaktivierung kann Schlafmuster verändern, was auch in Labortiermodellen gezeigt wurde [s3]. | gelegentlich | leicht |
| Gastrointestinale Beschwerden In Laborstudien wurden leichte Magen-Darm-Beschwerden beobachtet [s11]. Community-Berichte erwähnen gelegentliche GI-Symptome bei oraler Einnahme. | gelegentlich | leicht |
| Potenzielle karzinogene Wirkung (Langzeitrisiko) SR-9009 wurde in vitro und in vivo mit antiproliferativen Effekten auf Krebszellen assoziiert [s8]; REV-ERB-unabhängige Off-Target-Effekte auf gesunde Zellen sind nicht ausgeschlossen und erhöhen theoretisch das Langzeitrisiko. | theoretisch | schwer |
Kontraindikationen
Angesichts des theoretischen hepatotoxischen Potenzials und der fehlenden humanen Sicherheitsdaten ist SR-9009 bei vorbestehenden Lebererkrankungen absolut kontraindiziert [s8, s10].
Unkontrollierte Modulation zirkadianer Herzrhythmen durch REV-ERB- Agonismus ohne humane Sicherheitsdaten stellt ein nicht abschätzbares Risiko bei kardiovaskulären Vorerkrankungen dar [s3, s10].
Potenzielle blutzuckersenkende Wirkung durch REV-ERB-Aktivierung des Glukosestoffwechsels; hohes Hypoglykämierisiko besonders in Kombination mit Antidiabetika [s10].
Keine Sicherheitsdaten; Einfluss auf zirkadiane Entwicklungsprozesse des Fötus nicht abschätzbar [s7].
SR-9009 steht explizit auf der WADA-Verbotsliste 2025 als Rev-ErbA- Agonist; Verwendung führt zu Wettkampfsperren [s1].
Fehlende Sicherheitsdaten und möglicher Einfluss auf die Entwicklung schließen die Anwendung bei Minderjährigen aus [s7].
Wechselwirkungen
Synergistisch
In der Community häufig kombiniert für Ausdauerzwecke; beide Substanzen sind Forschungschemikalien ohne humane Sicherheitsdaten und haben in Tierversuchen karzinogenes Potenzial gezeigt [c2].
SR-9009 aktiviert den AMPK-Signalweg und fördert die mitochondriale Biogenese, während Kreatin die ATP-Resynthese unterstützt. Eine Kombination könnte theoretisch die Ausdauer- und Kraftleistung additiv verbessern.
Beide Substanzen können die mitochondriale Funktion und den Energiestoffwechsel unterstützen. In der Community wird diese Kombination für Ausdauerzwecke diskutiert, da sie auf komplementären Wegen wirken.
SR-9009 fördert die mitochondriale Biogenese über REV-ERB-Aktivierung; CoQ10 unterstützt die mitochondriale Elektronentransportkette. Eine kombinierte Anwendung könnte die mitochondriale Effizienz synergistisch verbessern.
Vorsicht
Additive blutzuckersenkende Effekte möglich; erhöhtes Hypoglykämierisiko bei gleichzeitiger Einnahme [s10].
REV-ERB reguliert zirkadiane Leberfunktionen; theoretische Beeinflussung der hepatischen Metabolisierung gerinnungshemmender Medikamente nicht ausgeschlossen [s8].
SR-9009 beeinflusst hepatische Enzymaktivität über REV-ERB-Signalwege; Wechselwirkungen mit CYP-metabolisierten Arzneimitteln theoretisch möglich [s8].
Beide Substanzen aktivieren den AMPK-Signalweg und haben blutzuckersenkende Eigenschaften. Eine Kombination kann zu additiver Hypoglykämie führen, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Antidiabetika.
SR-9009 beeinflusst den zirkadianen Rhythmus über REV-ERB-Aktivierung; Melatonin reguliert ebenfalls den Schlaf-Wach-Zyklus. Eine gleichzeitige Einnahme kann zu unvorhersehbaren Verschiebungen des zirkadianen Rhythmus führen.
SR-9009 verändert den zirkadianen Rhythmus und damit die Cortisol-Tagesrhythmik; Ashwagandha senkt ebenfalls den Cortisolspiegel. Die Kombination könnte zu einer übermäßigen Cortisol-Suppression und gestörter HPA-Achsen-Regulation führen.
Studien
Tier B: Mittlere Evidenz
Ergebnis: Erhöhte oxidative Kapazität im Skelettmuskel, verbesserte Ausdauerleistung
Effektgröße: Signifikante Steigerung in Tiermodellen; keine humanen Daten
Ergebnis: REV-ERB-Aktivierung: erhöhter mitochondrialer Gehalt, gesteigerte Glukose- und Fettsäureoxidation im Skelettmuskel
Effektgröße: Prä-klinische Effekte ohne humane Validierung
Tier C: Niedrige Evidenz
Ergebnis: Orale Bioverfügbarkeit von SR-9009
Effektgröße: Orale Absorption ca. 2,2 % bei Mäusen
Ergebnis: REV-ERB-unabhängige Anti-Proliferations-Effekte auf Krebszellen und Seneszenz-Induktion
Effektgröße: Deutliche Off-Target-Effekte; klinische Relevanz unklar
Community-Evidenz
Häufigste gemeldete Vorteile
- Subjektiv verbesserte Ausdauerleistung (besonders bei injizierbarer Form)
- Beschleunigter Fettabbau in Kombination mit Kaloriendefizit
- Schnellere Regeneration nach dem Training
- Erhöhte Energielevel tagsüber
Häufigste gemeldete Probleme
- Orale Kapseln zeigen kaum oder keine spürbare Wirkung
- Notwendigkeit häufiger Einnahme wegen kurzer Halbwertszeit (3–4 h)
- Unklare Legalität und Beschaffungsprobleme in Deutschland
- Zweifel an Produktqualität und tatsächlichem Wirkstoffgehalt
Mehrere erfahrene Nutzer in r/sarmssourcetalk und r/PEDs warnen ausdrücklich vor oraler Einnahme wegen der dokumentierten minimalen Bioverfügbarkeit [s6, c3]. Community-Konsens: Injizierbares SR-9009 sei potenziell wirksamer, aber mit erheblichen Sicherheitsbedenken verbunden. Deutschsprachige Quellen betonen rechtliche Grauzone und Dopingrisiko [c4].
Wissenschaftliche Quellen
- World Anti-Doping Agency Prohibited List 2025
World Anti-Doping Agency (2025). WADA International StandardALink - Stenabolic SR-9009: Side Effects, Review & Legal Consequences
Flamechallenge editorial (2023). Flame ChallengeDLink - Powerock Pharma SR-9009 STENABOLIC – Produktbeschreibung mit Laborstudienhinweisen
Gymhub.pro editorial (2024). Gymhub.proDLink - Pharmacological targeting of the mammalian clock regulates sleep architecture and emotional behaviour
Banerjee S, Wang Y, Solt LA, et al. (2014). Nature CommunicationsCPMID:25417704DOI - Pharmacological targeting of the mammalian clock regulates sleep architecture and emotional behaviour (REV-ERB agonist muscle/endurance data)
Banerjee S, Wang Y, Solt LA, et al. (2014). Nature CommunicationsCPMID:25417704DOI - In Vitro Metabolic Studies of REV-ERB Agonists SR9009 and SR9011
Kojetin D, Wang Y, Kamenecka TM, et al. (2016). International Journal of Molecular SciencesCPMID:27735858DOI - Selective androgen receptor modulator – Wikipedia overview: SR9009 classification as non-SARM
Wikipedia contributors (2024). WikipediaDLink - SR9009 Bioavailability: Oral Dosing vs Injections – Pharmacokinetic data (Burris lab mouse study)
Sarms.io editorial (citing Burris lab data) (2021). Sarms.ioCLink - SR9009 (Stenabolic): Research Evidence & Safety Profile
PeptideInsight editorial board (2024). PeptideInsightCLink - SR9009 has REV-ERB–independent effects on cell proliferation and metabolism
Sulli G, Rommel A, Wang X, et al. (2019). Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)BPMID:31209050DOI - SR-9009: Uses, Interactions, Mechanism of Action
DrugBank Online (2024). DrugBankBLink
Community-Quellen
Lagerung
Ungeöffnet
Kühl (2–8 °C), lichtgeschützt und trocken lagern.
Geöffnet
Angebrochene Lösungen innerhalb weniger Tage verwenden; bei Kapseln Originalverpackung dicht verschlossen halten.
Hinweise
SR-9009 ist ausschließlich als Laborforschungschemikalie konzipiert. Lagerung und Handhabung sollten entsprechenden Laborsicherheitsstandards folgen. Kein Produkt für den menschlichen Gebrauch [s7].