Quercetin
SupplementDer medizinische Score (62) liegt nur leicht über dem Community-Score (68), was die relativ gute Übereinstimmung zwischen klinischer Evidenz und Nutzerberichten widerspiegelt. Die klinische Evidenz ist heterogen und zeigt kleine Effektgrößen [s5, s6], während die Community-Wahrnehmung moderat positiv, aber durch individuelle Nebenwirkungsberichte gedämpft ist [c1, c3].
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TL;DR
Quercetin ist eines der am besten untersuchten Flavonoide: Meta-Analysen zeigen statistisch signifikante, aber klinisch kleine Effekte auf Blutdruck (−1,96 mmHg) und Nüchternblutzucker (−1,03 mg/dL), und eine COVID-19-Meta-Analyse deutet auf reduzierte Hospitalisierung hin. Die Bioverfügbarkeit von Standard-Quercetin ist gering – Phytosom-Formulierungen oder Glykoside sind bei gleicher Dosis wirksamer. EFSA hat Health Claims mangels ausreichender Evidenz abgelehnt, und senolytische Anwendungen (z. B. mit Dasatinib) sind bislang rein experimentell. Idiosynkratische Reaktionen wie Angst oder starke Körperschmerzen sind selten, aber dokumentiert.
Beschreibung
Pflanzliches Flavonoid mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften; häufig bei Allergien, Herz-Kreislauf-Prävention und als Senolytikum eingesetzt [s1, s2].
Quercetin ist ein Flavonol (Unterklasse der Flavonoide), das natürlicherweise in vielen Pflanzen vorkommt – besonders in Zwiebeln, Äpfeln, Kapern, Beeren und grünem Tee [s1]. Als sekundärer Pflanzenstoff gehört es zu den am häufigsten untersuchten Polyphenolen. Es ist in der Nahrung hauptsächlich als Glykosid gebunden; die freie Aglykon-Form (Standard-Quercetin) hat eine relativ niedrige orale Bioverfügbarkeit aufgrund schlechter Wasserlöslichkeit und rascher Metabolisierung (Glucuronidierung) im Darm [s1, s2]. Zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit wurden verschiedene Formulierungen entwickelt: Phytosomen (Quercefit®) zeigten in klinischen Studien eine bis zu 20-fach höhere Absorption als Standardquercetin [s4]; enzymatisch modifiziertes Isoquercitrin (EMIQ) und Quercetin-3-Glucosid sind ebenfalls besser bioverfügbar als das Aglykon [s3]. Im Bereich Senolytika (Entfernung seneszenter Zellen) wird Quercetin in Kombination mit dem Krebsmedikament Dasatinib untersucht, wobei erste klinische Pilotdaten vorliegen [s7]. Die entzündungshemmende Wirkung, insbesondere die Reduktion von Entzündungsmarkern, ist in mehreren RCTs und Meta-Analysen untersucht worden, die Evidenz gilt jedoch als heterogen [s5, s6]. Bei COVID-19 zeigte eine Meta-Analyse reduzierte Hospitalisierungs- und Sterblichkeitsraten [s8]. Für Sport und körperliche Leistung liegen einzelne RCTs mit moderaten Effekten vor [s9, s10]. EFSA bewertet die Evidenz für spezifische Health Claims als unzureichend [s13].
Rechtlicher Status (DE)
In Deutschland ist Quercetin (aus traditionellen Nahrungsquellen) als rezeptfreies Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verkehrsfähig, da es als Lebensmittel eingestuft wird und keine Zulassung benötigt [s11]. Quercetin aus Dimorphandra mollis gilt als nicht zugelassenes Novel Food gemäß EU-Verordnung (EU) 2015/2283 und darf in dieser Form nicht verkauft werden [s12]. EFSA hat bisher keine spezifischen Health Claims für Quercetin zugelassen [s13]. Verbindliche Höchstmengen für Quercetin in NEMs existieren weder auf nationaler noch auf EU-Ebene [s11].
Wirkmechanismus
Quercetin entfaltet seine biologischen Wirkungen über mehrere Mechanismen [s1, s2]: 1. Antioxidative Wirkung: Quercetin neutralisiert reaktive Sauerstoffspezies (ROS) durch Elektronendonation aufgrund seiner Hydroxylgruppen am aromatischen Ring. Es hemmt Lipidperoxidation und schützt Zellmembranen [s1, s2]. 2. Entzündungshemmung: Quercetin hemmt NF-κB-Signalwege, reduziert die Expression proinflammatorischer Zytokine (IL-1β, IL-6, TNF-α) und hemmt Cyclooxygenase (COX) und Lipoxygenase (LOX)-Enzyme [s2, s5]. 3. Immunmodulation: Quercetin stabilisiert Mastzellmembranen und hemmt die Histamin- freisetzung, was antiallergische Effekte erklärt. Es moduliert T-Zell- und Makrophagen-Aktivität [s1]. 4. Kardiovaskuläre Effekte: Quercetin hemmt Thrombozytenaggregation, reduziert Endothelzell-Entzündung, wirkt blutdrucksenkend (moderate Effekte auf systolischen Blutdruck, WMD: −1,96 mmHg in Meta-Analyse [s6]) und senkt Nüchternblutzucker (WMD: −1,03 mg/dL [s6]). 5. Senolytische Wirkung (in Kombination mit Dasatinib): Quercetin hemmt anti-apoptotische Signalwege (BCL-2-Familie, PI3K/AKT) in seneszenten Zellen und fördert deren Apoptose selektiv. In Adipositas- und Altersmodellen wurden Seneszenzmarker (p16, p21) reduziert [s7]. 6. Antivirale Wirkung: Quercetin interferiert mit ACE2-Expression und kann so den Zelleintritt von SARS-CoV-2 hemmen; in vitro-Daten zeigen Interaktion mit viralen Proteasen [s8]. Die Bioverfügbarkeit der Aglykon-Form ist begrenzt; Phytosom-Formulierungen erhöhen die Absorption signifikant durch Bindung an Phospholipide [s4].
Dosierung
Allgemeine antioxidative und entzündungshemmende Unterstützung
- Dosis
- 500 mg Quercetin (Aglykon-Standard)
- Frequenz
- 1–2× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- bis zu 12 Wochen
- Timing
- zu den Mahlzeiten (fetthaltiger Snack verbessert Absorption)
- Nahrungsaufnahme
- empfohlen
Verbesserte Bioverfügbarkeit (Phytosom-Formulierung, z. B. Quercefit)
- Dosis
- 250–500 mg phytosomales Quercetin (entspricht 100–200 mg reinem Quercetin)
- Frequenz
- 1–2× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- bis zu 12 Wochen
- Timing
- zu den Mahlzeiten
- Nahrungsaufnahme
- empfohlen
Kardiovaskuläre Prävention / Metabolisches Syndrom
- Dosis
- 500 mg täglich
- Frequenz
- 1× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- 8–12 Wochen
- Timing
- morgens zu den Mahlzeiten
- Nahrungsaufnahme
- empfohlen
Senolytisch (nur in Kombination mit Dasatinib, experimentell)
- Dosis
- 1000 mg Quercetin + 100 mg Dasatinib (intermittierend, z. B. 2 Tage/Woche)
- Frequenz
- intermittierend (Puls-Protokoll)
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- experimentell, Dauer variiert
- Timing
- nur unter ärztlicher Aufsicht
- Nahrungsaufnahme
- optional
In klinischen Studien wurden bis zu 1000 mg/Tag über mehrere Wochen ohne signifikante Nebenwirkungen angewendet [s14]. Dosen über 2000 mg/Tag werden mit Nierenbelastung in Verbindung gebracht [s14]. Keine verbindlichen EU- oder nationalen Höchstmengen für Quercetin in NEMs festgelegt [s11].
Die Bioverfügbarkeit von Standard-Quercetin (Aglykon) ist gering; Phytosom- Formulierungen oder Quercetin-Glykoside sind bei gleicher Dosisstärke wirksamer [s3, s4]. Kombination mit Bromelain oder Vitamin C wird in der Community häufig berichtet, klinische Belege für Synergismus sind begrenzt [c2].
Nebenwirkungen
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Schwere |
|---|---|---|
| Kopfschmerzen In Community-Berichten und klinischen Studien gelegentlich beschrieben; häufiger bei höheren Dosen [s14, c1]. | gelegentlich | leicht |
| Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Magenschmerzen) In Studien mit bis zu 1000 mg/Tag vereinzelt berichtet; gilt als mild und reversibel [s14]. | gelegentlich | leicht |
| Kribbeln in Extremitäten (Parästhesien) Bei Hochdosis-IV-Anwendung (nicht oral) beschrieben; bei oraler Supplementierung selten [s14]. | selten | leicht |
| Nierenbelastung bei sehr hohen Dosen Tier-Studien zeigen nephrotoxische Effekte bei sehr hohen Dosen; beim Menschen erst über 2000 mg/Tag als Risiko diskutiert [s14, c3]. | selten | moderat |
| Körperschmerzen, Angst, Reizbarkeit (idiosynkratisch) Einzelberichte in der Community; möglicherweise individuelle Unverträglichkeit oder Histamin-Reaktion bei MCAS-Patienten [c1, c3]. | selten | moderat |
| DAO-Hemmung (theoretische Histaminakkumulation) Quercetin hemmt in vitro das Enzym Diaminoxidase (DAO), was bei Histaminintoleranz oder MCAS relevant sein kann [c3]. | theoretisch | moderat |
Kontraindikationen
Wechselwirkungen
Synergistisch
Fisetin und Quercetin wirken synergistisch als Senolytika und entfernen gemeinsam seneszente Zellen effektiver. Zusammen adressieren sie Entzündung, oxidativen Stress und Zellalterung breiter als jede Substanz allein.
Quercetin und Berberin werden in Longevity-Konzepten kombiniert und können beide den AMPK-Signalweg aktivieren. Die Kombination kann jedoch bei Personen mit Prädiabetes oder unter Metformin zu additiver Glukosesenkung und Schwindelattacken führen.
Die Kombination von Quercetin und Resveratrol kann die intestinale Absorption von Resveratrol verbessern. In vitro-Daten zeigen, dass Quercetin die Permeabilität von Resveratrol erhöht.
Die gleichzeitige Einnahme von Quercetin und Curcumin ist möglich und kann die Absorption von Curcumin verbessern. Beide Substanzen haben komplementäre entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften.
Quercetin wirkt als Zink-Ionophor und transportiert Zink aktiv in Zellen, wodurch die intrazelluläre Zinkkonzentration steigt. Diese Kombination wird für antivirale Effekte diskutiert.
Bromelain verbessert die intestinale Aufnahme von Quercetin und wirkt synergistisch mit dessen antioxidativen Eigenschaften. Diese Kombination wird häufig in kommerziellen Quercetin-Präparaten eingesetzt.
EGCG und Quercetin wirken beide als Zink-Ionophoren und erhöhen gemeinsam die intrazelluläre Zinkkonzentration. Diese Kombination kann synergistische antivirale Wirkungen entfalten.
Vorsicht
Quercetin-Metaboliten können Warfarin aus Humanalbumin verdrängen (in vitro, hohe Affinität). Direkte CYP2C9-Hemmung ist schwach; dennoch Vorsicht bei gleichzeitiger Hochdosiseinnahme.
Quercetin hemmt den Efflux-Transporter P-Glykoprotein und das CYP3A4-Enzym, wodurch die Bioverfügbarkeit und Plasmaspiegel von Cyclosporin erhöht werden können, was das Risiko einer Cyclosporin-Toxizität (Nephrotoxizität, Immunsuppression) steigert.
Quercetin kann durch Chelatbildung mit zweiwertigen Kationen und durch Hemmung von Transportproteinen die Resorption von Chinolон-Antibiotika verringern und deren Bioverfügbarkeit reduzieren, was zu einer verminderten therapeutischen Wirksamkeit führen kann.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Quercetin und Berberin kann es zu additiver Blutzuckersenkung kommen, besonders in Kombination mit Metformin. Schwindel und Hypoglykämie-ähnliche Symptome wurden berichtet.
Quercetin kann als Flavonoid die Eisenabsorption hemmen, indem es ein basischeres Milieu im Darm fördert und Chelat-Komplexe mit Eisen bildet. Eisenpräparate sollten mit zeitlichem Abstand zu Quercetin eingenommen werden.
Quercetin kann als Flavonoid ein basischeres intestinales Milieu fördern und dadurch die Kalziumabsorption beeinträchtigen. Kalziumpräparate sollten mit zeitlichem Abstand zu Quercetin eingenommen werden.
Studien
Tier A — Hohe Evidenz
Ergebnis: Auswirkung auf systemische Entzündungsmarker (CRP, IL-6, TNF-α)
Effektgröße: Heterogene Ergebnisse; keine einheitliche signifikante Reduktion über alle Marker
Ergebnis: COVID-19: Hospitalisierung, ICU-Aufnahme, LDH-Aktivität, Mortalität
Effektgröße: Signifikante Reduktion von Hospitalisierung, ICU-Aufnahme und Mortalität; Evidenzqualität moderat
Ergebnis: Komponenten des metabolischen Syndroms (Nüchternblutzucker, Blutdruck)
Effektgröße: FBG: WMD −1,03 mg/dL (95% CI −1,87 bis −0,19); SBP: WMD −1,96 mmHg (95% CI −3,11 bis −0,81)
Tier B — Mittlere Evidenz
Ergebnis: Post-exercise Insulinsensitivität, antioxidative Kapazität, Ausdauerleistung
Effektgröße: Verbesserte Insulinsensitivität und antioxidative Kapazität post-exercise; Pilot-Daten
Ergebnis: Sportliche Leistung, Oxidativer Stress, Entzündung bei Sportlern
Effektgröße: Moderater Nutzen bei oxidativem Stress; keine konsistente Leistungsverbesserung
Ergebnis: Seneszenzmarker (p16, p21) in Fettgewebe nach Dasatinib+Quercetin
Effektgröße: Signifikante Reduktion von p16 und p21 (p<0,05); metabolische Verbesserungen
Tier C — Niedrige Evidenz
Ergebnis: Biologische Aktivitäten, Bioverfügbarkeit, Pharmakokinetik
Effektgröße: Überblick; keine eigene Effektgröße
Ergebnis: Pharmakologische Kapazität, Mechanismen
Effektgröße: Überblick; keine eigene Effektgröße
Community-Evidenz
Häufigste gemeldete Vorteile
- Linderung von Allergiesymptomen (Histamin-Blockade)
- Besseres allgemeines Wohlbefinden und weniger Entzündungszeichen
- Unterstützung bei Sport und Erholung
- Kombination mit Bromelain bei Erkältung beliebt
- Positive Berichte bei MCAS-Symptomreduktion (Einzelfälle)
Häufigste gemeldete Probleme
- Kopfschmerzen bei höheren Dosen (>500 mg)
- Körperschmerzen und Reizbarkeit (idiosynkratisch)
- Keine spürbare Wirkung bei einem Teil der Nutzer
- MCAS-Patienten: teils Verschlechterung durch DAO-Hemmung
- Langzeitanwender berichten über Abhängigkeitsgefühl
Vereinzelte Berichte von starken Nebenwirkungen (Angst, extremer Körperschmerz) bei 500 mg/Tag deuten auf individuelle Unverträglichkeit hin [c1]. MCAS-Community berichtet sowohl Nutzen als auch Verschlimmerung der Symptome – DAO-Hemmung könnte relevant sein [c3]. Langzeitdaten zur täglichen Anwendung über >12 Wochen sind begrenzt; Nutzer berichten gelegentlich von unklaren Symptomveränderungen nach mehrmonatiger Einnahme [c4].
Wissenschaftliche Quellen
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Community-Quellen
Lagerung
Ungeöffnet
Trocken und kühl bei Raumtemperatur (15–25 °C) lagern, vor direktem Sonnenlicht schützen.
Geöffnet
Behälter dicht verschließen; Feuchtigkeit und Wärmequellen vermeiden; innerhalb des aufgedruckten Verfallsdatums verbrauchen.
Hinweise
Quercetin ist lichtempfindlich und kann bei längerer UV-Exposition degradieren. Phytosom-Formulierungen gemäß Herstellerangaben lagern.