Apigenin
SupplementDer medizinische Score (28) liegt deutlich unter dem Community-Score (55), weil die Nutzercommunity auf Basis von Andrew Hubermans Empfehlung [c2] positive Erwartungen hat, die durch klinische RCTs zu isoliertem Apigenin nicht belegt sind [s1]. Die Tier- und In-vitro-Evidenz [s4, s5] übersetzt sich nicht automatisch in humanrelevante Effekte.
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TL;DR
Apigenin ist primär durch Andrew Hubermans Schlafprotokoll populär geworden – die klinische Basis dafür ist dünn: Keine einzige humane RCT existiert für isoliertes Apigenin, nur indirekte Kamillenextrakt-Daten. Der CD38-Hemmungs-Mechanismus zur NAD⁺-Optimierung ist präklinisch interessant, aber beim Menschen unbewiesen. Community-Erfahrungen sind gespalten: Ein Teil berichtet leicht tieferen Schlaf, ein anderer klagt über morgendliche Benommenheit und Libidoverlust. Bei Dosen über 100 mg ist die aromatasehemmende Wirkung relevant – besonders für Männer mit Blick auf Testosteron.
Beschreibung
Natürliches Flavonoid aus Kamille und Petersilie mit anxiolytischen, schlaffördernden, entzündungshemmenden und potentiellen Longevity-Effekten über CD38-Hemmung [s1, s2, s4].
Apigenin (4',5,7-Trihydroxyflavon) ist ein pflanzliches Flavonoid der Flavon-Untergruppe mit der Summenformel C₁₅H₁₀O₅. Es kommt besonders reichhaltig in Kamillenblüten (bis zu 840 mg pro 100 g Trockengewicht), getrocknetem Petersilienblatt (ca. 45 mg/g) sowie in Sellerie und anderen Gemüsesorten vor [s6, s7]. In der Natur liegt Apigenin überwiegend in glykosidierter Form vor (O- und C-Glykoside), die erst im Darm zu freiem Apigenin hydrolysiert wird. Die orale Bioverfügbarkeit des freien Apigenins ist begrenzt; aus Kamilleextrakt (Apigenin-7-O-glucosid) wird ein Cmax nach ca. 2 Stunden erreicht [s8]. Liposomale Formulierungen können die Resorption verbessern [s9]. Apigenin wird in der biohacking und Longevity-Community vor allem durch Andrew Hubermans Schlafprotokoll (50 mg abends) bekannt. Wissenschaftlich liegt die Hauptevidenz aus Tier- und Zellstudien vor; direkte humane RCTs zu isoliertem Apigenin als Schlaf- oder Anxiolytikum fehlen bislang. Kamillenextrakt-Studien (mit Apigenin als Wirkstoff) zeigen modeste Effekte auf Angst und Schlaf beim Menschen [s1, s2]. Im Bereich Longevity wirkt Apigenin als Hemmer des Enzyms CD38, das NAD+ abbaut. Präklinische Daten zeigen dadurch erhöhte zelluläre NAD+-Spiegel [s10, s11]. Eine klinische Bestätigung dieser Wirkung beim Menschen liegt nicht vor [s10]. Apigenin hemmt zudem proinflammatorische Zytokine (TNF-α, IL-1β) und zeigt in Zell- und Tiermodellen antitumorale Eigenschaften, insbesondere bei kolorektalem Karzinom; diese Daten sind ausschließlich präklinisch [s3, s12].
Rechtlicher Status (DE)
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Apigenin als natürlich vorkommendes Flavonoid rezeptfrei als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verkehrsfähig. NEM unterliegen keiner Zulassungspflicht, müssen aber vor dem Vertrieb angezeigt werden [s14, s15]. Die Europäische Kommission hat 2026 eine Novel-Food-Bewertung für isoliertes Apigenin eingeleitet; bei standardisierten Isolaten können strengere Anforderungen gelten [s13].
Wirkmechanismus
1. GABA-A-Rezeptor-Modulation: Apigenin bindet kompetitiv an die Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors [s4, s5]. In Tiermodellen zeigt es anxiolytische Effekte, die durch Flumazenil reversibel sind [s4]. In-vitro-Daten sind widersprüchlich: Bei rekombinanten α1β2γ2S-Rezeptoren in Xenopus-Oozyten wurden GABA-induzierte Ströme nicht konsistent verstärkt [s5]. In vivo wirkt Apigenin dosisabhängig anxiolytisch bei niedrigen Dosen (Mäuse: 3 mg/kg i.p.) und sedativ bei hohen Dosen (30–100 mg/kg i.p.) [s4]. 2. CD38-Inhibition / NAD+-Steigerung: Apigenin hemmt das Enzym CD38, eine NAD+-Hydrolase, die mit zunehmendem Alter vermehrt exprimiert wird. Durch CD38-Hemmung akkumuliert NAD+ in Zellen, was zelluläre Energiemetabolismus- und Sirtuinaktivitätseffekte haben kann [s10, s11]. Diese Wirkung ist bisher nur in Zell- und Tierstudien belegt [s10]. 3. Anti-inflammatorische Wirkung: Apigenin supprimiert proinflammatorische Zytokine (TNF-α, IL-1β) und moduliert NF-κB-Signalwege in vitro [s3]. Diese Effekte wurden in Tiermodellen bestätigt, fehlen aber in klinischen RCTs [s3]. 4. Antioxidative Eigenschaften: Als Polyphenol fängt Apigenin freie Radikale ab und reduziert oxidativen Stress in Zellmodellen [s1, s2]. 5. Neuroprotektive / neurotrophe Effekte: Präklinische Daten deuten auf Modulation von BDNF und Serotoninbahnen hin; klinische Belege fehlen [s2].
Dosierung
Schlafverbesserung (Huberman-Protokoll)
- Dosis
- 50 mg Apigenin
- Frequenz
- 1× täglich abends
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- fortlaufend
- Timing
- 30–60 Minuten vor dem Schlafengehen
- Nahrungsaufnahme
- optional
Anxiolyse / Stressreduktion
- Dosis
- 25–50 mg Apigenin
- Frequenz
- 1–2× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- 4–8 Wochen
- Timing
- morgens und/oder abends
- Nahrungsaufnahme
- empfohlen
NAD+-Optimierung (CD38-Inhibition, kombiniert mit NMN/NR)
- Dosis
- 50–100 mg Apigenin
- Frequenz
- 1× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- fortlaufend
- Timing
- mit einer Mahlzeit, die etwas Fett enthält (bessere Absorption)
- Nahrungsaufnahme
- empfohlen
Klinische Studien mit Kamillenextrakt verwendeten bis zu 1500 mg/Tag (entspricht ca. 100 mg Apigenin) ohne schwerwiegende Nebenwirkungen [s1, s2]. Eine allgemein anerkannte Tolerable Upper Intake Level für isoliertes Apigenin beim Menschen ist nicht etabliert. Vorsicht bei Dosen über 300 mg/Tag mangels Langzeitsicherheitsdaten [s9].
Die Bioverfügbarkeit von freiem Apigenin ist begrenzt (~30%); fetthaltige Mahlzeiten können die Absorption moderat verbessern [s9]. Liposomale Formulierungen zeigen in präklinischen Daten verbesserte Pharmakokinetik [s9].
Nebenwirkungen
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Schwere |
|---|---|---|
| Erschwertes Aufwachen / morgendliche Benommenheit (hangover effect) Mehrere Reddit-Nutzer berichten von Schwierigkeit beim Aufwachen und Benommenheit am Morgen nach abendlicher Einnahme [c1, c3]. | gelegentlich | leicht |
| Libidoverlust / vermindertes sexuelles Interesse Apigenin hemmt das Enzym CYP19A1 (Aromatase) und kann östrogene Signalwege beeinflussen. Nutzerberichte über Libidoverlust und mangelnde Motivation [c1, c4]. | gelegentlich | leicht |
| Stimmungsschwankungen / Reizbarkeit Einzelne Reddit-Nutzer berichten über Stimmungstiefs und Reizbarkeit bei längerer Einnahme [c3]. | selten | leicht |
| Gewichtszunahme (anekdotisch) Ein Nutzerbericht beschreibt eine Gewichtszunahme von ca. 3 kg bei längerer Einnahme; mögliche Verbindung zu hormonellen Effekten (Aromatasehemmung), aber nicht klinisch belegt [c3]. | selten | leicht |
| Verstärkte Sedierung / übermäßige Schläfrigkeit bei hohen Dosen In Tiermodellen wirkt Apigenin bei hohen Dosen (≥30 mg/kg i.p.) sedativ [s4, s5]. Übertragung auf den Menschen ist unsicher; hohe orale Supplementdosen können bei manchen Nutzern ausgeprägte Müdigkeit verursachen [c2, c3]. | gelegentlich | leicht |
| CYP-vermittelte Arzneimittelinteraktionen (klinisch relevant) Apigenin hemmt CYP1A2, CYP2C9 und CYP3A4 in vitro, was die Plasmaspiegel von Substraten (z. B. Warfarin, Cyclosporin, Statine) erhöhen kann [s13, s16]. | theoretisch | moderat |
Kontraindikationen
Apigenin kann CYP2C9 hemmen und so den Warfarin-Metabolismus verlangsamen, was das Blutungsrisiko erhöht [s13, s16].
CYP3A4-Hemmung durch Apigenin kann Ciclosporinspiegel erhöhen und Nephrotoxizität begünstigen [s13].
Apigenin zeigt östrogene Partialwirkung und hemmt Aromatase (CYP19A1); der Einfluss auf hormonabhängige Erkrankungen ist unklar, Vorsicht ist geboten [s1, s16].
Keine Sicherheitsdaten für isoliertes Apigenin in der Schwangerschaft; hohe Kamilleextrakt-Dosen werden in der Schwangerschaft nicht empfohlen [s1].
Additive GABAerge Wirkung möglich; Verstärkung von Sedierung und Atemdepression theoretisch [s4, s5].
Wechselwirkungen
Synergistisch
Kombinierte CD38-Hemmung durch Apigenin und NAD+-Vorläufer-Supplementierung könnte NAD+-Spiegel synergistisch erhöhen; bisher nur präklinische Plausibilität [s10, s11].
Kombination wird in der Community zur Schlafvorbereitung eingesetzt; L-Theanin fördert Alpha-Wellen und wirkt anxiolytisch. Kein RCT zur Kombination vorhanden [c4].
Im Huberman-Schlafprotokoll gemeinsam eingesetzt; synergistische GABA-Modulation theoretisch plausibel, kein kombinierter RCT [c2].
Apigenin und Melatonin werden häufig kombiniert, um Einschlafen und Schlafqualität zu verbessern. Apigenin wirkt über GABA-Rezeptoren beruhigend, während Melatonin den circadianen Rhythmus reguliert. Die Kombination gilt als additiv und gut verträglich.
Apigenin und Quercetin hemmen beide das Enzym CD38, was zu erhöhten intrazellulären NAD+-Spiegeln führt. In präklinischen Studien wurde für beide Flavonoide eine senolytische/senomorphe Aktivität beschrieben, die sich kombiniert ergänzen kann.
Apigenin reduziert die SASP-Ausschüttung seneszenter Zellen, während Fisetin seneszierende Zellen selektiv eliminiert. Die Kombination wird von einigen Longevity-Protokollen empfohlen, um sowohl Seneszenz-Clearance als auch SASP-Dämpfung zu adressieren.
Beide Substanzen können Kortisolspiegel senken und die Schlafqualität verbessern. Apigenin wirkt über GABAerge Mechanismen, Ashwagandha über Withanolid-vermittelte Stressachsenmodulation. Eine kombinierte abendliche Einnahme erscheint plausibel synergetisch.
Vorsicht
CYP2C9-Hemmung kann Antikoagulanzien-Spiegel erhöhen. INR-Kontrolle empfohlen bei gleichzeitiger Einnahme [s13, s16].
CYP3A4-Hemmung kann Statinspiegel erhöhen und Myopathierisiko steigern [s13].
CYP-Modulation sowie schwache östrogene/antiöstrogene Eigenschaften von Apigenin können die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel theoretisch beeinflussen [s16].
Additive GABAerge Wirkung möglich; verstärkte Sedierung und potenzielle Atemdepression [s4, s5].
CYP-Interaktionen und additive Toxizität möglich bei onkologischer Behandlung; Rücksprache mit Onkologen notwendig [s13].
Apigenin hemmt CYP2C9, CYP2C19 und CYP3A4 sowie P-Glykoprotein in vitro. Berberin ist ebenfalls ein CYP-Inhibitor. Eine Kombination könnte den Abbau beider Substanzen und gemeinsamer Arzneimittelsubstrate beeinträchtigen.
Apigenin besitzt schwache östrogene und antiöstrogene Eigenschaften; DIM moduliert den Östrogenstoffwechsel aktiv. Eine Kombination kann den Hormonhaushalt unvorhersehbar beeinflussen, besonders bei hormonempfindlichen Erkrankungen.
Calcium-D-Glucarat hemmt Beta-Glucuronidase und fördert die Ausscheidung von Östrogenen. Da Apigenin selbst östrogene/antiöstrogene Aktivität zeigt, können beide Substanzen in ihrer Wirkung auf den Östrogenspiegel interagieren und zu einer übermäßigen Absenkung führen.
Studien
Tier A — Hohe Evidenz
Ergebnis: Reduktion von GAD-7-Angstsymptomen und Schlafparametern
Effektgröße: Kamillenextrakt signifikant besser als Placebo bei Angstreduktion (p<0,05); Effektstärke moderat
Tier B — Mittlere Evidenz
Ergebnis: Zusammenfassung therapeutischer Potenziale von Apigenin
Effektgröße: Umfasst präklinische und wenige klinische Studien; keine Meta-Analyse-Effektgröße berichtet
Ergebnis: Antitumorale Wirkung von Apigenin in Tiermodellen
Effektgröße: Signifikante Tumorgrößenreduktion in Tiermodellen; keine humane Übertragbarkeit belegt
Tier C — Niedrige Evidenz
Ergebnis: GABA-A-Rezeptor-Bindung und anxiolytische Wirkung
Effektgröße: Anxiolytisch bei 3 mg/kg i.p. (Mäuse); sedativ bei 30–100 mg/kg i.p.
Ergebnis: CD38-Hemmung und NAD+-Anstieg
Effektgröße: Signifikante CD38-Inhibition und NAD+-Akkumulation in Zellmodellen
Ergebnis: GABAerge Transmission und sedative Wirkung
Effektgröße: Keine konsistente GABA-A-Strommodulation in vitro; in vivo sedative Wirkung über GABAerge Bahnen
Community-Evidenz
Häufigste gemeldete Vorteile
- Leichte Entspannung vor dem Schlafengehen
- Etwas tieferer Schlaf (bei einem Teil der Nutzer)
- Milde anxiolytische Wirkung
- Potenzielle Longevity-Wirkung (CD38-Hemmung) im Rahmen von NAD+-Protokollen
Häufigste gemeldete Probleme
- Kein spürbarer Effekt auf Schlaf (häufigste Beschwerde)
- Schwieriges Aufwachen / morgendliche Benommenheit
- Libidoverlust und verminderte Motivation bei längerer Einnahme
- Stimmungsschwankungen / Reizbarkeit
Mehrere Nutzer weisen darauf hin, dass Apigenin in hohen Dosen (>100 mg) als Aromatasehemmer wirken kann, was bei Männern zu reduziertem Testosteron und bei Frauen zu veränderten Östrogen-/Progesteron-Verhältnissen führen kann [c1, c4]. Die Popularität basiert stark auf Andrew Hubermans Empfehlung ohne direkte humane RCT-Belege für isoliertes Apigenin [c2].
Wissenschaftliche Quellen
- The Therapeutic Potential of Apigenin
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Community-Quellen
Lagerung
Ungeöffnet
Trocken, kühl (15–25 °C), lichtgeschützt in Originalverpackung lagern.
Geöffnet
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Hinweise
Apigenin ist lichtempfindlich; UV-Exposition kann das Flavonoid abbauen. Bei Pulverform auf Klumpenbildung achten.