Resveratrol
SupplementDer medizinische Score liegt leicht über dem Community-Score: Klinische Meta-Analysen belegen moderate metabolische Effekte [s10, s11], während die Biohacking-Community überwiegend keine subjektiv wahrnehmbaren Kurzzeit-Effekte berichtet [c1, c2], was die geringe Bioverfügbarkeit und den Mangel an alltagsrelevanten Surrogatendpunkten widerspiegelt [s3].
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TL;DR
Resveratrol ist das Paradebeispiel eines Supplements, das in der Petrischale brilliert und beim Menschen enttäuscht: SIRT1-Aktivierung, NF-κB-Hemmung und Lebensverlängerung in Modellorganismen klingen überzeugend, aber robuste klinische Humanstudien fehlen – und die orale Bioverfügbarkeit von ~0,5 % macht jede Dosierungsdiskussion akademisch. David Sinclairs Popularisierung hat Erwartungen geweckt, die die Evidenz schlicht nicht trägt; die Community-Stimmung ist entsprechend ernüchtert (38 % positiv). Die EU-Novel-Food-Zulassung begrenzt die empfohlene Tagesdosis auf 150 mg – weit unter den in Studien verwendeten Mengen. Wer auf Langlebigkeits-Stacks setzt, findet in NMN oder Pterostilben aktuell besser belegte Alternativen.
Beschreibung
Polyphenol aus Traubenschalen und Japanischem Knöterich mit antioxidativer, kardiovaskulärer und SIRT1-aktivierender Wirkung; geringe orale Bioverfügbarkeit (~0,5%) [s3, s4].
Resveratrol (3,5,4'-Trihydroxystilben) ist ein natürlich vorkommendes Polyphenol der Stilben-Klasse, das in Traubenschalen, Rotwein, japanischem Knöterich (Fallopia japonica), Erdnüssen und Beeren vorkommt [s3]. Die biologisch relevante Form ist das trans-Isomer (trans-Resveratrol), das stabiler und wirksamer als das cis-Isomer ist [s5]. Resveratrol wird nach oraler Einnahme zwar gut absorbiert, jedoch findet eine ausgeprägte Glucuronidierung und Sulfatierung in Darm und Leber statt, sodass die systemische Bioverfügbarkeit mit ca. 0,5% sehr gering ist [s3]. Verschiedene Formulierungsansätze – darunter liposomale Systeme, Mizellen und die Kombination mit Piperin – werden untersucht, um die Bioverfügbarkeit zu steigern [s6, s7]. In präklinischen Studien aktiviert Resveratrol die NAD+-abhängige Deacetylase SIRT1, hemmt NF-κB-Signalwege und wirkt als Antioxidans [s8, s9]. Klinische Studien zeigen moderate Effekte auf kardiovaskuläre und metabolische Risikomarker (Blutdruck, Blutfette, Insulinresistenz) bei verschiedenen Patientengruppen, jedoch mit inkonsistenten Ergebnissen [s10, s11]. Im Bereich Kognition laufen aktuell Phase-2-Studien (u. a. REVAMP-Trial 2024), bisherige RCT-Daten zeigen begrenzte, teils widersprüchliche Ergebnisse [s12, s13]. Die Alzheimer-Studie (Turner et al. 2015) zeigte Sicherheit und Tolerabilität, aber keine signifikanten kognitiven Endpunkte [s13]. Die Langzeitwirkung bei gesunden Menschen ist bisher unzureichend belegt.
Rechtlicher Status (DE)
In der EU ist synthetisches trans-Resveratrol (≥99% Reinheit) und trans-Resveratrol aus mikrobiellen Quellen (z. B. Saccharomyces cerevisiae) als Neuartiges Lebensmittel gemäß Verordnung (EU) 2015/2283 zugelassen, mit einer empfohlenen Höchstdosis von 150 mg/Tag für Erwachsene [s1]. In Deutschland ist Resveratrol als rezeptfreies Nahrungsergänzungsmittel (NEM) im Rahmen des LFGB verkehrsfähig, sofern die Novel-Food-Zulassung eingehalten wird [s2]. Keine EFSA-zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) liegen vor.
Wirkmechanismus
Resveratrol wirkt über mehrere molekulare Zielstrukturen [s8, s9]: 1. SIRT1-Aktivierung: Resveratrol aktiviert das NAD+-abhängige Enzym Sirtuin-1 (SIRT1), das Histondeacetylasen reguliert und kalorienrestriktions-ähnliche Signalwege auslöst. Präklinisch wurde eine Lebensverlängerung in Hefe (70%), Würmern und Drosophila demonstriert [s9]. Klinische SIRT1-Effekte beim Menschen sind in einer systematischen Übersicht dokumentiert, jedoch mit moderater Effektstärke [s14]. 2. NF-κB-Hemmung / Entzündungshemmung: Resveratrol inhibiert den Transkriptionsfaktor NF-κB und reduziert damit die Expression proinflammatorischer Zytokine (IL-6, TNF-α, COX-2) [s8]. 3. Antioxidative Wirkung: Direkte Radikalfängerwirkung sowie Hochregulation der Nrf2-Kaskade mit Induktion antioxidativer Enzyme (SOD, Katalase, GPx) [s8]. 4. Insulinsensitivierung / Glukosestoffwechsel: Resveratrol aktiviert AMPK, hemmt Phosphodiesterasen und erhöht die mitochondriale Biogenese über PGC-1α, was zu einer Verbesserung der Insulinsensitivität beiträgt [s10, s11]. 5. Kardiovaskuläre Effekte: Hemmung der Thrombozyten-Aggregation, Reduktion von LDL-Oxidation, Blutdrucksenkung durch NO-Synthase- Aktivierung [s10]. 6. CYP450-Modulation: Resveratrol hemmt CYP3A4 und andere CYP450-Enzyme, was zu klinisch relevanten Arzneimittelinteraktionen führen kann [s15].
Nebenwirkungen
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Schwere |
|---|---|---|
| Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall) Bei höheren Dosen (>500 mg/Tag) treten gastrointestinale Symptome häufiger auf. Auch in klinischen Studien mit hohen Dosen (1000–2000 mg) dokumentiert [s15, s16]. | gelegentlich | leicht |
| Kopfschmerzen In einigen klinischen Studien als Nebenwirkung bei höheren Dosierungen berichtet [s15]. | selten | leicht |
| Interaktion mit Blutgerinnungshemmern (erhöhtes Blutungsrisiko) Resveratrol hemmt die Thrombozytenaggregation und kann die Wirkung von Antikoagulanzien (z. B. Warfarin, Heparin) und Thrombozytenaggregationshemmern verstärken [s15]. | theoretisch | moderat |
| Veränderung der Plasmaspiegel anderer Arzneimittel (CYP450-Hemmung) Resveratrol hemmt CYP3A4 und weitere CYP450-Enzyme, was zu erhöhten Blutspiegeln von Substraten dieser Enzyme führen kann [s15]. | theoretisch | moderat |
| Estrogene Wirkung (theoretisch bei hormonsensitiven Erkrankungen) Resveratrol bindet an Östrogenrezeptoren und kann sowohl agonistische als auch antagonistische Wirkung ausüben. Klinische Relevanz bei normalen Supplementdosen unklar [s8]. | theoretisch | moderat |
Kontraindikationen
Resveratrol bindet an Östrogenrezeptoren (ERα und ERβ) und kann bei östrogensensitiven Tumoren theoretisch das Wachstum stimulieren. Vorsicht bis zum Vorliegen weiterer klinischer Daten [s8, s15].
Kombination mit Warfarin, Heparin oder anderen Blutverdünnern erhöht das Blutungsrisiko durch additive Hemmung der Thrombozytenfunktion [s15].
Unzureichende Sicherheitsdaten für Schwangere und Stillende. Östrogenartige Wirkung theoretisch relevant für Schwangerschaftsverlauf [s15].
Resveratrol wird extensiv hepatisch metabolisiert; bei schwerer Leberinsuffizienz ist eine veränderte Pharmakokinetik und mögliche Akkumulation denkbar [s3, s15].
Wechselwirkungen
Synergistisch
Resveratrol aktiviert SIRT1, das NAD+-abhängig ist; kombinierte Einnahme mit NMN soll synergistisch die NAD+-Signalwege stärken. Bisher nur präklinische und anekdotische Evidenz [s9].
Piperin hemmt die Glucuronidierung von Resveratrol und kann die Bioverfügbarkeit signifikant erhöhen [s7].
Synergistische antioxidative und entzündungshemmende Wirkung in präklinischen Modellen beschrieben; klinische Daten begrenzt [s8].
Fisetin und Resveratrol wirken beide als Senolytika und Antioxidantien. Die Kombination kann die Beseitigung seneszenter Zellen verstärken und anti-aging Effekte addieren.
Resveratrol und Curcumin ergänzen sich synergistisch bei der Hemmung von Entzündungswegen – Resveratrol über SIRT1/AMPK, Curcumin über NF-κB. Präklinische Daten zeigen antiproliferative Synergie.
Resveratrol, Curcumin und Berberin regulieren gemeinsam den PI3K/Akt/mTOR/GSK-3-Signalweg. Die Kombination kann metabolische und entzündliche Prozesse breiter ansprechen.
Beide Substanzen sind fettlösliche Antioxidantien mit komplementären Wirkmechanismen. Die Kombination kann den zellulären Schutz vor oxidativem Stress verstärken.
Die Kombination von Resveratrol und Astaxanthin zeigt in frühen Studien synergistische anti-aging Effekte. Resveratrol steigert endogene Antioxidantien, während Astaxanthin direkt als starker Radikalfänger wirkt.
Resveratrol und Spermidin unterstützen beide die Autophagie über teilweise unterschiedliche Wege. Die Kombination kann die zelluläre Reinigungsfunktion synergistisch verstärken.
Vorsicht
Additive Hemmung der Thrombozytenaggregation; erhöhtes Blutungsrisiko. INR-Monitoring empfohlen [s15].
CYP3A4-Hemmung durch Resveratrol kann Plasmaspiegel dieser Medikamente erhöhen und Toxizitätsrisiko steigern [s15].
Östrogenrezeptorbindung von Resveratrol kann die Wirkung hormoneller Therapien beeinflussen [s8, s15].
Additive antiplatelet-Wirkung erhöht Blutungsrisiko [s15].
Studien
Tier A — Hohe Evidenz
Ergebnis: Metabolische Marker (Insulin, HbA1c, ALT) bei Adipositas/Übergewicht
Effektgröße: Gemischte Ergebnisse; geringe bis moderate Effektgrößen
Ergebnis: Auswirkung von Resveratrol-Supplementierung auf SIRT1-Spiegel beim Menschen
Effektgröße: Moderate positive Effekte auf SIRT1-Expression in RCTs dokumentiert
Ergebnis: Metabolisches Syndrom: HOMA-IR, Gesamtcholesterin, TG, LDL, systolischer/diastolischer Blutdruck, hs-CRP
Effektgröße: Signifikante Reduktion von HOMA-IR, TC, TG, LDL, SBP, DBP und hs-CRP gegenüber Placebo
Ergebnis: Sicherheit, Verträglichkeit, Plasma-Aβ40/Aβ42 und CSF-Biomarker bei milder bis moderater Alzheimer-Erkrankung
Effektgröße: Gut verträglich; Aβ40-Abfall im Plasma (möglicherweise Hirnpenetration); keine signifikante kognitive Verbesserung
Tier B — Mittlere Evidenz
Ergebnis: Zerebrale Metabolismus- und Perfusionsveränderungen bei vaskulärer kognitiver Beeinträchtigung
Effektgröße: Noch nicht abgeschlossen; Protokoll publiziert 2024
Ergebnis: Anti-inflammatorische Wirkungsmechanismen von Resveratrol (in vitro und in vivo)
Effektgröße: Mechanistische Übersicht; keine direkten klinischen Effektgrößen
Tier C — Niedrige Evidenz
Ergebnis: SIRT1-Aktivierung und Lebensverlängerung in Hefe, Würmern, Drosophila; Übertragbarkeit auf Menschen unklar
Effektgröße: Yeast-Lebensverlängerung +70%; keine humanen Endpunkte
Community-Evidenz
Häufigste gemeldete Vorteile
- Mögliche Synergie mit NMN/NAD+ im Anti-Aging-Stack
- Subjektiv wahrgenommene bessere Erholung bei manchen Nutzern
- Antioxidativer Schutz (nicht subjektiv messbar, aber populär)
- Kombination mit Pterostilben als Alternative berichtet
Häufigste gemeldete Probleme
- Keine spürbaren kurzfristigen Effekte bei den meisten Nutzern
- Skepsis gegenüber Wirksamkeit nach Enttäuschung durch Sinclair-Hype
- Gelegentliche Magenbeschwerden bei höheren Dosen
- Unsicherheit über optimale Dosierung und Formulierung
In der Biohacking-Community wird Resveratrol überwiegend kritisch bewertet, seit David Sinclairs Versprechungen nicht durch robuste Humanstudien bestätigt wurden. Viele Nutzer berichten nach 90-tägigem Selbstversuch keine subjektiven Verbesserungen. Die geringe Bioverfügbarkeit und fehlende alltagsrelevante Biomarker-Veränderungen nähren die Skepsis. Einige Nutzer setzen auf liposomale Formulierungen oder Piperin-Kombination, ohne systematische Evidenz hierfür zu haben.
Wissenschaftliche Quellen
- Commission Implementing Decision (EU) 2016/1190 authorising trans-resveratrol as a novel food ingredient
European Commission (2016). Official Journal of the European UnionALink - Resveratrol Supplementation and its Potential Benefits in Obesity-related Non-communicable Diseases (including meta-analysis data on metabolic markers)
Boccellino M, D'Angelo S, et al. (2025). PMC/NCBIALink - Effect of resveratrol supplementation on metabolic risk markers and anthropometric parameters in individuals with obesity or overweight: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Saucedo-Toral A, Hernandez-Ruiz J, et al. (2024). Clinical Nutrition ESPENADOI - REsveratrol for VAscular cognitive impairment investigating cerebral Metabolism and Perfusion (REVAMP trial): a study protocol for a randomized, double-blind, placebo-controlled trial
Hattori Y, Minami M, Omae K, et al. (2024). Frontiers in NutritionADOI - A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of resveratrol for Alzheimer disease
Turner RS, Thomas RG, Craft S, et al. (2015). NeurologyAPMID:26362286DOI - Impact of Resveratrol Supplementation on Human Sirtuin 1: A GRADE-Assessed Systematic Review and Dose-Response Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials
Authors not fully specified in search results (2025). Journal of the Academy of Nutrition and DieteticsADOI - Potential Adverse Effects of Resveratrol: A Literature Review
Shaito A, Posadino AM, Younes N, et al. (2020). International Journal of Molecular Sciences (PMC)BDOI - Resveratrol - Sicherheitsbewertung
DocMedicus Redaktion (2023). DocMedicus VitalstofflexikonCLink - High absorption but very low bioavailability of oral resveratrol in humans
Walle T, Hsieh F, DeLegge MH, Oatis JE Jr, Walle UK (2004). Drug Metabolism and DispositionAPMID:15333514DOI - Pharmacokinetic evaluation of two oral Resveratrol formulations in a randomized, open-label, crossover study in healthy fasting subjects
Nicht einzeln gelistet (Multi-Autoren-Studie) (2025). Scientific ReportsADOI - Frequently Asked Questions on Food Supplements
BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) (2019). BfRALink - Resveratrol - Overview: Bioavailability and Pharmacokinetics
Higdon J, Drake VJ, Delage B, et al. (2023). Linus Pauling Institute, Oregon State UniversityBLink - Resveratrol: Molecular Mechanisms, Health Benefits, and Prospects
Zhang Y, Chen M, Liu X, et al. (2025). PMC/NCBIBLink - Resveratrol-Formen im Vergleich: trans vs. cis – Wirkung, Stabilität und Bioverfügbarkeit
Nordic Oil Redaktion (2024). Nordic Oil BlogCLink - Physical and Pharmacokinetic Characterizations of trans-Resveratrol Encapsulated with Self-Assembling Lecithin-based Mixed Polymeric Micelles
Noorani L, Stenzel M, Liang R, et al. (2017). Scientific ReportsCDOI - Enhancing the bioavailability of resveratrol by combining it with piperine
Johnson JJ, Nihal M, Siddiqui IA, et al. (2011). Molecular Nutrition & Food ResearchAPMID:21714124DOI - Anti-Inflammatory Action and Mechanisms of Resveratrol
Maleki SJ, Crespo JF, Cabanillas B, et al. (2021). Molecules (PMC)BDOI - SIRT1, resveratrol and aging
Rogina B, Tissenbaum HA (2024). Frontiers in GeneticsBDOI
Community-Quellen
Lagerung
Ungeöffnet
Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern (unter 25°C empfohlen). Trans-Resveratrol ist licht- und oxidationsempfindlich [s5].
Geöffnet
Behälter nach Entnahme sofort dicht verschließen. UV-Licht und Sauerstoffexposition beschleunigen die Isomerisierung zu cis-Resveratrol und den Wirkungsverlust [s5].
Hinweise
Keine Kühlung im Kühlschrank erforderlich, aber Hitzequellen (>30°C) und Licht meiden. Bei Pulverform Feuchtigkeit vermeiden.