Matrixyl (topisch)
SupplementDie medizinische Bewertung (55) liegt unter der Community-Bewertung (72), da klinische Studien klein sind und überwiegend von Sederma gesponsert wurden [s2, s7], während Community-Nutzer subjektiv positive Hautergebnisse berichten und Matrixyl als bewährten Inhaltsstoff in bekannten Produkten einschätzen [c1, c2].
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TL;DR
Matrixyl (Palmitoyl Pentapeptid-4) ist das am besten untersuchte kosmetische Signalpeptid mit plausibler Mechanistik und mehreren positiven klinischen Studien – allerdings fast ausschließlich vom Hersteller Sederma gesponsert und mit kleinen Stichproben. Messbare Faltenreduktion ist nach 8–12 Wochen realistisch, aber weniger ausgeprägt als bei Retinol. Als sanfte, gut verträgliche Alternative zu Retinol sinnvoll, besonders für empfindliche Haut. Wer dramatische Ergebnisse erwartet, wird enttäuscht sein.
Beschreibung
Matrixyl (Palmitoyl Pentapeptid-4) ist ein biomimetisches Signalpeptid in Kosmetika, das Fibroblasten zur Kollagensynthese stimuliert und Falten reduziert [s1, s2].
Matrixyl ist der Markenname für Palmitoyl Pentapeptid-4 (Pal-KTTKS), ein synthetisches Signalpeptid, das ursprünglich 1993 von Katayama et al. an der University of Tennessee als Subfragment des C-terminalen Propeptids von Typ-I-Prokollagen identifiziert wurde [s1]. Die Sequenz KTTKS (Lysin-Threonin-Threonin-Lysin-Serin) erwies sich als die kürzeste Teilsequenz, die noch etwa 80 % der Aktivität des Mutterfragments zur Stimulation der extrazellulären Matrix-Produktion durch dermale Fibroblasten beibehält [s1]. Die angehängte Palmitoylkette (C16-Fettsäure) ist nicht nur eine Markenentscheidung, sondern der entscheidende Mechanismus, um das hydrophile KTTKS-Peptid durch das Stratum corneum in die Dermis zu transportieren. Ohne diese Modifikation ist das unmodifizierte KTTKS in In-vitro-Permeationsexperimenten in keiner Hautschicht nachweisbar [s3]. Heute existieren drei Hauptgenerationen von Matrixyl-Produkten: das ursprüngliche Matrixyl (Palmitoyl Pentapeptid-4), Matrixyl 3000 (Kombination aus Palmitoyl Tripeptid-1 und Palmitoyl Tetrapeptid-7) und Matrixyl Synthe'6 (Palmitoyl Tripeptid-38) [s5, s6]. Klinische Doppelblindstudien zeigen nach 2 Monaten topischer Anwendung signifikante Reduktionen von Faltentiefe und -volumen [s5, s7]. Das ursprüngliche Matrixyl wurde in einer placebokontrollierten, doppelblinden Studie von Robinson et al. (2005) getestet, wobei statistisch signifikante Verbesserungen von Falten und feinen Linien gegenüber dem Fahrzeugkontroll-Produkt beobachtet wurden [s2]. In vitro zeigt Palmitoyl Pentapeptid-4 dosisabhängige Anstiege der Kollagen-I-Synthese um 100–200 % in Haut-Explantat-Modellen [s4]. Matrixyl gilt allgemein als gut verträglich; in klinischen Studien wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet [s2, s8]. Die EWG bewertet Palmitoyl Pentapeptid-3/4 mit der Sicherheitsnote 1 (sehr sicher) [s8].
Rechtlicher Status (DE)
Matrixyl (Palmitoyl Pentapeptid-4) ist in der EU ein zugelassener kosmetischer Inhaltsstoff gemäß EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 und im CosIng-Register gelistet [s9, s10]. Kosmetische Mittel unterliegen in Deutschland keiner Zulassungspflicht, müssen jedoch die Sicherheitsanforderungen der EU-KosmetikV erfüllen [s10]. Das Produkt ist rezeptfrei als Kosmetikum frei verkäuflich; eine Einstufung als Arzneimittel liegt nicht vor [s11].
Wirkmechanismus
Matrixyl (Palmitoyl Pentapeptid-4) wirkt als Matrikin – ein Peptid, das physiologisch bei Kollagenabbau freigesetzt wird und Fibroblasten zur Reparatur der extrazellulären Matrix stimuliert. Das synthetische Pal-KTTKS ahmt dieses Signal exogen nach, ohne dass echter Kollagenabbau erforderlich ist [s1, s4]. Mechanistischer Ablauf: 1. Die Palmitoylkette [C16] erhöht die Lipophilie des Peptids ausreichend, um die Lipidphase des Stratum corneum zu durchdringen und die papilläre Dermis zu erreichen, wo Fibroblasten sitzen [s3, s4]. Radioaktiv markierte Studien bestätigen, dass palmitoylierte Peptide die Dermis erreichen, während nicht-modifizierte Peptide oberflächlich verbleiben [s12]. 2. In der Dermis bindet Pal-KTTKS an Fibroblastenrezeptoren und aktiviert eine Signalkaskade, die die Genexpression für mehrere ECM-Komponenten hochreguliert: Kollagen Typ I, III und IV, Fibronektin, Hyaluronsäure-Synthase-1 sowie Glykosaminoglykane (GAG) [s1, s4, s3]. 3. Zusätzlich wird die Aktivität von Matrix-Metalloproteinasen (MMP), die Kollagen abbauen, mild gehemmt [s5]. 4. Matrixyl 3000 (Palmitoyl Tripeptid-1 + Palmitoyl Tetrapeptid-7) wirkt synergistisch: Tripeptid-1 stimuliert die Kollagensynthese, Tetrapeptid-7 reduziert pro-inflammatorische Zytokine (IL-6), die die Hautalterung beschleunigen [s5]. 5. Matrixyl Synthe'6 (Palmitoyl Tripeptid-38) stimuliert sowohl Kollagen- als auch Elastin-Synthese [s6]. Der Effekt ist dosisabhängig und in vitro bei 8–10 ppm Konzentration in humanen dermalen Fibroblasten nachgewiesen [s4]. Die klinisch messbare Verbesserung der Hautdichte und Faltenreduktion tritt typischerweise nach 8–12 Wochen regelmäßiger Anwendung auf, da neue Kollagenfasern Zeit zum Aufbau benötigen [s12].
Dosierung
Faltenreduktion / allgemeine Anti-Aging-Pflege
- Dosis
- 0,001–0,005 % (entspricht 10–50 ppm) Palmitoyl Pentapeptid-4 in der Fertigformulierung
- Frequenz
- 1–2× täglich
- Verabreichung
- injektion-subkutan
- Dauer
- mindestens 8–12 Wochen für messbare Ergebnisse
- Timing
- Morgens und/oder abends nach der Reinigung, vor dem Feuchtigkeitspfleger
- Nahrungsaufnahme
- optional
Matrixyl 3000 (Tripeptid-1 + Tetrapeptid-7) – Faltenreduktion
- Dosis
- 3 % Matrixyl 3000-Komplex in der Formulierung (typische Marktkonzentration)
- Frequenz
- 2× täglich
- Verabreichung
- injektion-subkutan
- Dauer
- 8 Wochen
- Timing
- Morgens und abends
- Nahrungsaufnahme
- optional
Matrixyl Synthe'6 (Palmitoyl Tripeptid-38) – Faltenreduktion
- Dosis
- 2 % Palmitoyl Tripeptid-38 in der Formulierung
- Frequenz
- 2× täglich
- Verabreichung
- injektion-subkutan
- Dauer
- 2 Monate
- Timing
- Morgens und abends auf betroffene Areale (Stirn, Augenpartie)
- Nahrungsaufnahme
- optional
Es gibt keine offiziell festgelegte Obergrenze für Palmitoyl Pentapeptid-4 in der EU-Kosmetikverordnung. In Studien wurden Konzentrationen bis 10 ppm (0,001 %) ohne Nebenwirkungen eingesetzt [s2]. Höhere Konzentrationen (bis 7 % Serum) wurden ebenfalls ohne unerwünschte Wirkungen beschrieben [s13], jedoch fehlen Langzeitsicherheitsdaten für sehr hohe Konzentrationen.
Matrixyl wirkt langsam (Kollagenaufbau dauert 8–12 Wochen); sofortige Effekte sind nicht zu erwarten [s12]. Die Kombination mit Retinol oder Vitamin C ist gängig und mechanistisch komplementär, jedoch bisher wenig in RCTs untersucht [c1].
Nebenwirkungen
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Schwere |
|---|---|---|
| Lokale Hautreizung (Rötung, Brennen) an der Applikationsstelle In klinischen Studien wurden keine Irritationen berichtet [s2, s8]. Seltene Reaktionen können auf Hilfsstoffe der Formulierung (z. B. Konservierungsmittel) zurückzuführen sein, nicht auf das Peptid selbst. | selten | leicht |
| Kontaktallergie / allergische Reaktion Keine Fälle in klinischen Studien dokumentiert [s2]. Theoretisches Risiko bei Peptid-Überempfindlichkeit; die palmitische Säurekomponente ist eine häufige Nahrungsfettsäure und gilt als sicher [s8]. | theoretisch | moderat |
| Komedogenität (Verstopfen der Poren) Palmitinsäure hat ein gewisses komedogenes Potenzial; jedoch ist die Konzentration im Fertigprodukt gering. Nicht explizit in klinischen Studien berichtet [s8]. | theoretisch | leicht |
Kontraindikationen
Bei dokumentierter Allergie gegen KTTKS-Sequenz oder Palmitoylderivate sollte das Produkt nicht angewendet werden. Klinische Berichte fehlen, Vorsicht ist angebracht [s8].
Kosmetische Produkte sind nicht für die Anwendung auf verletzter Haut bestimmt. Eine Anwendung auf offenen Läsionen kann zu Reizungen führen; das Produkt ist für intakte Haut formuliert [s9].
Keine Sicherheitsdaten für pädiatrische Anwendung; kosmetische Anti-Aging-Produkte sind ausschließlich für Erwachsene konzipiert [s9].
Wechselwirkungen
Synergistisch
Komplementäre Wirkmechanismen: Retinol stimuliert Kollagensynthese über RAR-Rezeptoren, Matrixyl über matrikine Signalwege. Kombination ist in der Community verbreitet und mechanistisch plausibel, jedoch fehlen RCTs zur Kombination [c1].
Vitamin C ist ein Co-Faktor der Kollagensynthese (Prolyl-Hydroxylase). Kombination mit Matrixyl ist mechanistisch sinnvoll; keine direkte RCT-Evidenz für Synergismus [c1].
Matrixyl stimuliert Hyaluronsäure-Synthase-1; exogene Hyaluronsäure ergänzt dies durch direkte Hydratation. Häufige Kombination in Seren (z. B. The Ordinary Buffet) [s4, c1].
Argireline entspannt mimische Muskeln über Hemmung von SNARE-Proteinen, während Matrixyl die Kollagensynthese über matrikine Signalwege stimuliert. Die Kombination adressiert kurzfristige Muskelentspannung und langfristige Hauterneuerung gleichzeitig. Klinische Daten aus einer 2023er Studie (Li et al., Journal of Cosmetic Dermatology) belegen die Verträglichkeit und Wirksamkeit der Kombination.
GHK-Cu aktiviert Fibroblasten breit (Kollagen, Elastin, Glykosaminoglykane) und besitzt antientzündliche sowie geweberemodellierende Eigenschaften, während Matrixyl gezielt die Kollagensynthese über Matrikine stimuliert. Die Kombination gilt als synergistisch mit komplementären Angriffspunkten.
Niacinamid und Matrixyl können problemlos kombiniert werden. Niacinamid unterstützt die Hautbarriere und wirkt porenverfeinernder, während Matrixyl die Kollagensynthese stimuliert – komplementäre Ansatzpunkte ohne bekannte negative Wechselwirkungen.
Vorsicht
Peptide können bei sehr niedrigem pH instabil werden und hydrolysieren. Matrixyl sollte nicht mit stark sauren Wirkstoffen (z. B. hochkonzentrierte AHA/BHA-Peelings) gleichzeitig aufgetragen werden, sondern zeitversetzt [s3].
Instabilität des Peptids unter stark oxidativen oder sauren Bedingungen möglich. Zeitversetzte Anwendung empfohlen [s3].
Bei sehr hohen Konzentrationen von L-Ascorbinsäure (über 10 %) kann die saure Umgebung Peptide destabilisieren, bevor sie die Haut penetrieren. Stabile Vitamin-C-Derivate oder zeitversetzte Anwendung (morgens Vitamin C, abends Matrixyl) sind empfehlenswert.
Retinol und Matrixyl können grundsätzlich kombiniert werden, sollten jedoch zeitversetzt angewendet werden (z. B. Matrixyl morgens, Retinol abends). Bei gleichzeitiger Anwendung besteht das Risiko einer Hautbarriere-Reizung, besonders bei höheren Retinol-Konzentrationen.
Studien
Tier A — Hohe Evidenz
Ergebnis: Quantitative Veränderung der periokulären Faltenparameter bei 0,005 % Palmitoyl Pentapeptid-4
Effektgröße: Signifikante Faltenreduktion gegenüber Placebo (Lintner, 2002; Annales de Dermatologie)
Ergebnis: Faltenreduktion an Stirn und Augenpartie mit 2 % Palmitoyl Tripeptid-38 (Matrixyl Synthe'6)
Effektgröße: Signifikante Anti-Falten-Wirkung; 9 % Reduktion der Rötung, 8 % Verbesserung der Hauttonhomogenität
Ergebnis: Signifikante Reduktion von Falten und feinen Linien gegenüber Fahrzeugkontrolle, bewertet durch technische Bildanalyse und Expertenbeurteilung
Effektgröße: Statistisch signifikante Verbesserung (p-Wert nicht aus Suchergebnissen extrahierbar); Autoren: Robinson et al. (2005)
Tier B — Mittlere Evidenz
Ergebnis: Periokuläre Faltenreduktion mit 7 % Palmitoyl Pentapeptid-4-Serum
Effektgröße: Positive Ergebnisse (Suhendra, 2020)
Ergebnis: Reduktion von Faltentiefe und -volumen sowie Verbesserung von Elastizität und Dichte mit 3 % Matrixyl 3000
Effektgröße: Bis zu 44 % Reduktion der Faltentiefe nach 8 Wochen (herstellerangabe); 18 % Reduktion der Faltentiefe in separater Studie [s5]
Tier C — Niedrige Evidenz
Ergebnis: Dosisabhängige Stimulation der Kollagen-I-Synthese durch Pal-KTTKS bei 8–10 ppm
Effektgröße: 100–200 % Anstieg der Kollagen-I-Synthese in Haut-Explantat-Modellen
Ergebnis: Vergleich dermaler Stabilität und Hautpermeation von KTTKS vs. Palmitoyl-KTTKS; Nachweis der Notwendigkeit der Palmitoylierung für Hauteindringung
Effektgröße: Unmodifiziertes KTTKS in keiner Hautschicht nachweisbar; Pal-KTTKS erreicht Dermis
Community-Evidenz
Häufigste gemeldete Vorteile
- Reduktion feiner Linien und Falten nach 8–12 Wochen
- Verbesserte Hauttextur und -festigkeit
- Gute Verträglichkeit, auch bei empfindlicher Haut
- Sanfte Alternative zu Retinol ohne Irritationen
- Positive Ergebnisse in Kombination mit Hyaluronsäure-Seren
Häufigste gemeldete Probleme
- Wirkung schwer von anderen Inhaltsstoffen in Kombinationsprodukten zu trennen
- Ergebnisse weniger dramatisch als bei Retinol oder professionellen Behandlungen
- Teure Rohstoffkonzentration; günstige Produkte oft unterdosiert
- Wirkungseintritt langsam; Ungeduld bei Anwendern
Mehrere Community-Mitglieder weisen darauf hin, dass die meisten klinischen Studien von Sederma (Hersteller) gesponsert sind und die Stichprobengrößen klein sind [c1, c3]. Die Frage, ob Matrixyl allein für Ergebnisse in Kombinationsprodukten (z. B. The Ordinary Buffet) verantwortlich ist, bleibt offen [c1]. Einige Nutzer berichten, dass DIY-Formulierungen mit reinem Palmitoyl Pentapeptid-4 bei falscher pH-Einstellung oder Lagerung möglicherweise weniger wirksam sind [c2].
Wissenschaftliche Quellen
- A pentapeptide from type I procollagen promotes extracellular matrix production
Katayama K, Armendariz-Borunda J, Raghow R, et al. (1993). Journal of Biological ChemistryCPMID:8226993DOI - Regulation (EC) No 1223/2009 of the European Parliament and of the Council on cosmetic products
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Creative Touch Rotherham Editorial Team (2024). creativetouchrotherham.co.uk (non-peer-reviewed)CLink - The efficacy of 7% palmitoyl pentapeptide-4 serum for the periorbital area
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Robinson LR, Fitzgerald NC, Doughty DG, et al. (2005). International Journal of Cosmetic ScienceAPMID:18492182DOI - Dermal Stability and In Vitro Skin Permeation of Collagen Pentapeptides (KTTKS and palmitoyl-KTTKS)
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Community-Quellen
Lagerung
Ungeöffnet
Kühl (15–25 °C), trocken und vor direktem Sonnenlicht geschützt lagern. Originalverpackung geschlossen halten.
Geöffnet
Nach Öffnung innerhalb von 6–12 Monaten aufbrauchen (PAO-Angabe auf der Verpackung beachten). Behälter nach jeder Anwendung dicht verschließen.
Hinweise
Peptide sind empfindlich gegenüber Hitze, Licht und Oxidation. Kühlschranktemperatur (2–8 °C) kann die Stabilität verlängern, ist aber für die meisten kommerziellen Formulierungen nicht zwingend erforderlich. Reine Peptidlösungen (DIY) sollten kühl und dunkel gelagert werden [s3].