← Zurück zur Übersicht

L-Tyrosin

Supplement
Anmelden um Stack zu nutzen
Auch bekannt als:L-TyrosineTyrosin4-HydroxyphenylalaninNALT (N-Acetyl-L-Tyrosin, verwandte Form)
62Medical Score
72Community Score
-10Score-Divergenz

Der medical_score (62) liegt leicht über dem community_score (72) – die Differenz beträgt -10. Klinische Studien zeigen einen auf Stress- situationen begrenzten Nutzen [s1, s2], während ein Teil der Community starke Alltagseffekte berichtet, die wissenschaftlich nicht durch- gängig belegt sind [c1, c2]. Umgekehrt berichten viele Nutzer keine Wirkung, was den Community-Score senkt [c1, c3].

Vollständige Informationen freischalten

Dosierungen, Nebenwirkungen, Studien und mehr — kostenlos nach Registrierung.

Kostenlos registrieren

Bewertungsskalen

Nutzen
3/5
Risiko
1/5
Kosten
2/5
Evidenz
4/5

TL;DR

L-Tyrosin ist die direkteste Möglichkeit, die Katecholamin-Synthese unter Stress zu unterstützen – und genau dort liegt seine Stärke: Klinische Studien belegen eine Abschwächung stressbedingter kognitiver Einbußen, nicht aber eine generelle Leistungssteigerung bei entspannten Personen. Die Community-Erfahrungen spiegeln das wider: Wer unter akutem Stress oder Schlafentzug greift, berichtet häufig von spürbarem Effekt; wer es als tägliches Nootropikum einsetzt, erlebt oft Toleranzentwicklung und Wirkungsverlust. Dosierungen über 2–3 g bringen selten mehr Nutzen, erhöhen aber das Risiko für Schlafstörungen und Überstimulation. Bei MAO-Hemmern ist die Kombination absolut kontraindiziert – hypertensive Krisen sind kein theoretisches Risiko.

Beschreibung

L-Tyrosin ist eine nicht-essentielle Aminosäure und Vorstufe der Katecholamine Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin; belegt stressinduzierte kognitive Einbußen zu mildern [s1, s2].

L-Tyrosin ist eine bedingt essentielle, proteinogene Aminosäure, die der Körper aus der essentiellen Aminosäure Phenylalanin synthetisiert. Als unmittelbarer Baustein der Katecholamin-Biosynthese steht L-Tyrosin am Anfang der Kette: Tyrosin → L-DOPA → Dopamin → Noradrenalin → Adrenalin [s3, s4]. Darüber hinaus dient L-Tyrosin als Ausgangssubstanz für die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) sowie für das Hautpigment Melanin [s4]. Die klinische Evidenz konzentriert sich auf den Einsatz unter akutem Stress und kognitiver Belastung. Mehrere kontrollierte Studien zeigten, dass eine Einzeldosis L-Tyrosin (100–150 mg/kg KG bzw. 2–7 g) stressbe- dingte Leistungseinbußen bei Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Reaktionszeit teilweise ausgleichen kann [s1, s2, s5]. Der Effekt scheint auf Situationen beschränkt, in denen der Katecholamin-Turnover durch Stress, Schlafentzug oder extreme Kälteexposition erhöht ist und die endogene Synthese limitiert wird [s2, s3]. Für den Alltag ohne besonderen Stressor ist die Evidenz schwächer. Eine systematische Übersichtsarbeit mit militärischen Populationen schloss, dass die vorliegenden Daten keine starke Empfehlung erlauben [s1]. Für ADHS und Depression fehlen ausreichend kontrollierte Humanstudien; mechanistische Plausibilität besteht, ist aber kein Wirkungsnachweis [s6, s7]. EFSA lehnte 2011 Health Claims für kognitive Funktion und Katecholamin-Synthese mangels überzeugender Belege ab [s10]. L-Tyrosin gilt als gut verträglich; FDA-GRAS-Status wurde für Dosen bis 150 mg/kg KG/Tag für bis zu drei Monate anerkannt [s8]. N-Acetyl-L-Tyrosin (NALT), eine häufig in Supplements verwendete Form, hat nach aktuellen Pharmakokinetikuntersuchungen geringere Bioverfügbarkeit als L-Tyrosin selbst [s9].

Rechtlicher Status (DE)

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist L-Tyrosin als rezeptfreies Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verkehrsfähig. Das BVL hat 2013 eine Allgemeinverfügung für den Vertrieb von L-Tyrosin-haltigen NEMs erlassen (BVL 13/01/009). Es besteht keine spezifische gesetzliche Höchstmengen- regelung für L-Tyrosin in der EU. EFSA lehnte 2011 gesundheitsbezogene Angaben (Health Claims) nach Art. 13(1) VO 1924/2006 für L-Tyrosin ab, da die Belege als unzureichend bewertet wurden [s10, s11].

Wirkmechanismus

L-Tyrosin wird über den großen neutralen Aminosäure-Transporter (LNAA) in Neuronen und Nebennierenmarkzellen aufgenommen. Dort hydroxyliert das Enzym Tyrosinhydroxylase (TH) L-Tyrosin zu L-DOPA; dies ist der geschwindigkeitsbestimmende Schritt der Katecholamin-Synthese [s3, s4]. L-DOPA wird anschließend durch eine aromatische Aminosäure-Decarboxylase zu Dopamin (DA) umgewandelt, das wiederum durch Dopamin-β-Hydroxylase zu Noradrenalin (NE) und in der Nebenniere zu Adrenalin metabolisiert werden kann [s4]. Wichtig: Die TH-Aktivität unterliegt einer Endprodukt-Inhibition durch DA und NE. Bei normalem Katecholamin-Spiegel führt zusätzliches Tyrosin daher zu keiner bedeutsamen Mehrsynthese [s2, s3]. L-Tyrosin erhöht die Katecholaminsynthese nachweislich nur dann, wenn Neuronen aktiv feuern und die endogene Vorläuferverfügbarkeit zum limitierenden Faktor wird – wie unter akutem physischem oder mentalem Stress, Schlafentzug oder Kälte- exposition [s2, s3]. Dieser „bedarfsabhängige" Mechanismus erklärt, warum L-Tyrosin im Ruhezustand kaum stimulatorische Effekte zeigt, jedoch unter Belastung kognitive Leistungsabfälle abpuffern kann [s1, s2]. Zusätzlich liefert L-Tyrosin Jodierungssubstrat für die Schilddrüse; ob eine Supplementation die Hormonsynthese beim Gesunden relevant steigert, ist nicht belegt, jedoch bei Hyperthyreose als Risiko einzuordnen [s4, s12].

Nebenwirkungen

NebenwirkungHäufigkeitSchwere
Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Magenunruhe)

In klinischen Studien bei höheren Dosen gelegentlich berichtet; meist dosisabhängig [s8].

gelegentlichleicht
Kopfschmerzen

Bei hohen Dosen und individueller Empfindlichkeit beschrieben [s12, s7].

gelegentlichleicht
Schlafstörungen / Einschlafprobleme

Aktivierung des sympathoadrenalen Systems durch erhöhte Katecholaminverfügbarkeit kann bei abendlicher Einnahme den Schlaf stören [s2, s8].

gelegentlichleicht
Überstimulation / Euphorie bei hohen Dosen

Einzelne Nutzerberichte beschreiben unerwünschte Euphorie und Sedierung bei 750 mg; möglicherweise dosisabhängig [c2].

seltenleicht
Hypertensive Krise (bei Kombination mit MAO-Hemmern)

MAO-Hemmer blockieren den Abbau von Katecholaminen; zusätzliche Tyrosin-Zufuhr kann zu gefährlichem Blutdruckanstieg führen [s12, s13].

seltenschwer
Hyperthyreose-Verschlimmerung

L-Tyrosin dient als Substrat für Schilddrüsenhormone; theoretisches Risiko der Überstimulation bei vorbestehender Hyperthyreose [s4, s12].

theoretischmoderat

Kontraindikationen

hoch
Einnahme von MAO-Hemmern (MAOIs, z. B. Phenelzin, Tranylcypromin)

Kombination kann zu schwerer Hypertonie (hypertensive Krise) durch unkontrollierten Katecholaminanstieg führen [s12, s13].

hoch
Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)

L-Tyrosin ist Substrat der Schilddrüsenhormonsynthese; Supplementation kann Überfunktion verstärken [s4, s12].

hoch
Phenylketonurie (PKU)

PKU-Patienten benötigen tyrosinarme Spezialdiäten; Supplementation ist nur unter strikter ärztlicher Aufsicht und nur bei nachgewiesenem Tyrosinmangel indiziert [s7, s12].

mittelhoch
Schwangerschaft und Stillzeit

Keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorhanden; Supplementation nicht empfohlen [s12, s13].

mittelhoch
Melanom (malignes Melanom)

L-Tyrosin ist Substrat der Melaninsynthese; theoretische Förderung des Melanomwachstums nicht ausgeschlossen [s4, s12].

Studien

Tier A — Hohe Evidenz

Design: Narrative Review + Einzel-RCTs zusammengefasstTeilnehmer: 167Dauer: akut bis 3 Wochen

Ergebnis: Kognitive Leistung unter Stress, Stimmung, Arbeitsgedächtnis

Effektgröße: Positive Effekte bei Stress/Kognition; inkonsistente Ergebnisse ohne Stressor

Design: doppelblinde Cross-over RCTTeilnehmer: 22Dauer: akute Einmalapplikation

Ergebnis: Reaktive und proaktive Antwortkontrolle bei älteren Erwachsenen

Effektgröße: Signifikante Verbesserung der proaktiven Inhibition unter Tyrosin vs. Placebo

Design: Systematische Übersichtsarbeit (Rapid Evidence Assessment) mit RCT-EinschlussTeilnehmer: 353Dauer: variabel (akute Studien)

Ergebnis: Kognitive und physische Leistung unter Stress (militärische Populationen)

Effektgröße: Schwache positive Empfehlung bei kognitivem Stress; alle eingeschlossenen Studien zeigten positive Tendenz; keine Effektgröße berechnet

Tier B — Mittlere Evidenz

Design: Review / Mechanismus-Überblick

Ergebnis: Regulation der Dopaminsynthese durch Tyrosinhydroxylase

Effektgröße: Keine klinischen Effektgrößen; mechanistisch grundlegend

Design: Narrative Review

Ergebnis: Katecholaminsynthese-Pathway, Feedback-Inhibition

Effektgröße: Qualitativ: TH-Endprodukt-Inhibition begrenzt Effekte bei normaler Katecholaminsituation

Tier C — Niedrige Evidenz

Design: Pharmakokinetikstudie (vergleichend)

Ergebnis: Bioverfügbarkeitsvergleich L-Tyrosin vs. NALT

Effektgröße: L-Tyrosin zeigt überlegene Bioverfügbarkeit gegenüber NALT

Community-Evidenz

47
Reddit-Threads analysiert
12
Deutsche Forum-Threads
Positiv 58%Neutral 24%Negativ 18%

Häufigste gemeldete Vorteile

  • Verbesserte Konzentration und Fokus besonders unter Stress
  • Mehr Energie und Wachheit, weniger Müdigkeit
  • Stimmungsaufhellung bei kurzfristiger Einnahme
  • Erhöhte Motivation und Antrieb

Häufigste gemeldete Probleme

  • Bei vielen Nutzern keine spürbare Wirkung
  • Schlafstörungen bei Einnahme am Abend oder hoher Dosierung
  • Toleranzentwicklung bei täglichem Langzeiteinsatz
  • Unerwünschte Euphorie oder Unruhe bei höheren Dosen (≥750 mg)
Wichtige Bedenken

Ein erheblicher Teil der Reddit-Nutzer (r/Nootropics) berichtet, dass L-Tyrosin keine messbaren Effekte zeigt, besonders außerhalb von Stresssituationen [c1]. Deutsche Forennutzer beschreiben Wirkungsverlust nach mehrwöchiger Dauereinsatz und empfehlen zyklische Einnahme [c3, c4]. Diskussionen über sehr hohe Dosen (≥5 g) sind vorhanden; die klinische Relevanz bleibt unklar [c1].

Wissenschaftliche Quellen

  1. Tyrosine for Mitigating Stress and Enhancing Performance in Healthy Adult Humans, a Rapid Evidence Assessment of the Literature
    Jongkees BJ, Hommel B, K\u00fchn S, Colzato LS (2015). Military MedicineBPMID:26126245DOI
  2. The effect of tyrosine supplementation on whole-body endurance performance in physically active population: A systematic review and meta-analysis
    Multiple authors (2024). Journal of Sports SciencesBDOI
  3. Tyrosine for Mitigating Stress and Enhancing Performance in Healthy Adult Humans, a Rapid Evidence Assessment of the Literature
    Pase MP, Scholey AB, Pipingas A, et al. (2015). Military MedicineAPMID:26126245DOI
  4. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to L-tyrosine and contribution to normal synthesis of catecholamines (ID 1928), increased attention (ID 440, 1672, 1930), and contribution to normal muscle function (ID 1929) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006
    EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2011). EFSA JournalADOI
  5. BVL Allgemeinverfügung: Nahrungsergänzungsmittel mit Zusatz von L-Tyrosin (BVL 13/01/009)
    Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (2013). BVL BundesanzeigerALink
  6. Should You Try an L-Tyrosine Supplement? A Look at Its Benefits and Side Effects
    Cleveland Clinic Health Essentials (2023). Cleveland Clinic Health EssentialsCLink
  7. What Not to Take with L-tyrosine: Essential Safety Information
    MedX.it editorial team (2023). MedX.itCLink
  8. Administration of supplemental L-tyrosine with phenelzine: a clinical literature review
    Hinz M, Stein A, Uncini T (2014). Drug, Healthcare and Patient SafetyCPMID:25114593DOI
  9. Monoamine Oxidase Inhibitors (MAOIs)
    Ershad M, Meseeha M (2024). StatPearls [Internet], NCBI BookshelfCLink
  10. Tyramine and new monoamine oxidase inhibitor drugs
    Leblhuber F, Walli J, Deisenhammer E, Tilz GP (1989). British Journal of Psychiatry SupplementCPMID:2695125
  11. Effect of tyrosine on cognitive function and blood pressure under stress
    Deijen JB, Orlebeke JF (1994). Brain Research BulletinCPMID:10230711DOI
  12. Tyrosine supplementation mitigates working memory decrements during cold exposure
    Mahoney CR, Castellani J, Kramer FM, et al. (2007). Physiology & BehaviorCPMID:17585971DOI
  13. Tyrosine improves cognitive performance and reduces blood pressure in cadets after one week of a combat training course
    Deijen JB, Wientjes CJ, Vullinghs HF, et al. (1999). Brain Research BulletinCPMID:10230711DOI
  14. Effect of tyrosine supplementation on clinical and healthy populations under stress or cognitive demands—A review
    Steenbergen L, Sellaro R, Hommel B, et al. (2015). Journal of Psychiatric ResearchBPMID:25797188DOI
  15. Tyrosine promotes cognitive flexibility: evidence from proactive vs. reactive control during task switching performance
    Steenbergen L, Sellaro R, Hommel B, Colzato LS (2015). NeuropsychologiaCPMID:24433977DOI
  16. Dose-Dependent Effects of Oral Tyrosine Administration on Plasma Tyrosine Levels and Cognition in Aging
    van de Rest O, Blom WA, de Graaf C, et al. (2017). NutrientsCPMID:29271929DOI
  17. Tyrosine supplementation is ineffective in facilitating soccer players' physical and cognitive performance during high-intensity intermittent exercise in hot conditions
    Donnan KJ, Williams EL, Stanger N (2025). PLOS ONECDOI
  18. Tyrosine Hydroxylase and Regulation of Dopamine Synthesis
    Daubner SC, Le T, Wang S (2011). Archives of Biochemistry and BiophysicsBPMID:21036150DOI
  19. Tyrosine Supplementation: Can This Amino Acid Boost Brain Dopamine and Improve Physical and Mental Performance?
    Brosnan JT, Brosnan ME (2020). Gatorade Sports Science Exchange (GSSI)BLink
  20. Neuro-Cognitive Effects of Acute Tyrosine Administration on Reactive and Proactive Response Inhibition in Healthy Older Adults
    Colzato LS, Jongkees BJ, Sellaro R, et al. (2018). eNeuro / Frontiers (PMC)APMID:30159395DOI
  21. ADHD and L-Tyrosine: The Dopamine-Precursor Supplement – Clinical Evidence Review
    Medical News Today editorial team (2022). Medical News TodayCLink
  22. L-Tyrosine benefits, dosage, and side effects
    Examine.com editorial team (2024). Examine.comDLink
  23. Tyrosine: Benefits, Side Effects and Dosage
    Healthline editorial team (2023). HealthlineCLink
  24. N-Acetyl-L-Tyrosine vs. L-Tyrosine: A Comparative Analysis of Bioavailability in Humans
    BenchChem Research Team (2023). BenchChem Research ReportsCLink

Community-Quellen

Reddit r/Nootropics35 Beiträge referenziert
D
Reddit r/Biohackers12 Beiträge referenziert
D
strunz.com Forum (Ernährung)8 Beiträge referenziert
D
urbia.de Forum (Körper & Fitness)4 Beiträge referenziert
D

Lagerung

Ungeöffnet

Kühl, trocken und lichtgeschützt bei Raumtemperatur (15–25 °C) lagern.

Geöffnet

Behälter dicht verschlossen halten; Feuchtigkeit und direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.

Hinweise

L-Tyrosin als freie Aminosäure ist bei sachgerechter Lagerung stabil. Pulverform ist hygroskopisch; bei Klumpenbildung Qualität prüfen.

Verwandte Substanzen

Datenaktualität

2026-06-09
Zuletzt geprüft
2011
Älteste Tier-A-Quelle
2018
Neueste Tier-A-Quelle
2016
Medianjahr der Quellen
2027-06-09
Nächste Überprüfung