Vitamin K2 MK-7
SupplementDer medizinische Score liegt leicht über dem Community-Score, da klinische Studien konsistente Biomarker-Effekte zeigen [s3, s4, s7], während Community-Berichte durch eine auffällige Häufung von Nebenwirkungsberichten (Palpitationen, Schlafstörungen) bei höherdosierten Produkten gedämpft werden [c1, c2, c3].
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TL;DR
Vitamin K2 MK-7 ist die am besten untersuchte K2-Form: Mehrere RCTs belegen konsistent eine Aktivierung von Osteocalcin (ucOC-Senkung um bis zu 65 %) und eine Verlangsamung des Knochendichteverlusts bei postmenopausalen Frauen, während eine Meta-Analyse von 14 RCTs Hinweise auf reduzierte arterielle Versteifung liefert – harte Endpunkte wie Frakturraten fehlen jedoch noch. Die Kombination mit Vitamin D3 ist pharmakologisch sinnvoll und in der Community etabliert; für die meisten Anwender reichen 90–180 µg täglich mit einer fetthaltigen Mahlzeit. Wichtig: Wer Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar einnimmt, darf MK-7 nicht ohne engmaschige INR-Kontrolle verwenden – und die community-dokumentierten Nebenwirkungen bei Überdosierung (Herzpalpitationen, Schlafstörungen) sind real genug, um Megadosen klar abzulehnen.
Beschreibung
Hochbioverfügbare Form von Vitamin K2 mit langer Halbwertszeit; aktiviert Osteocalcin und MGP zur Knochenerhaltung und Hemmung arterieller Verkalkung [s1, s2, s3].
Vitamin K2 MK-7 (Menaquinon-7) ist eine langkettige Form von Vitamin K2, die überwiegend durch bakterielle Fermentation entsteht. Die reichste natürliche Quelle ist Natto (fermentierte Sojabohnen) mit bis zu 1103 µg MK-7 pro 100 g [s6]. Im Vergleich zu MK-4 zeichnet sich MK-7 durch eine wesentlich längere Halbwertszeit von ca. 72 Stunden (3 Tage) aus, was stabile Blutspiegel bei einmal täglicher Dosierung im Mikrogramm-Bereich ermöglicht [s5]. Der Hauptwirkungskanal von MK-7 ist die Aktivierung (Carboxylierung) von Vitamin-K-abhängigen Proteinen: Osteocalcin im Knochen und Matrix-Gla- Protein (MGP) in den Gefäßwänden. Osteocalcin bindet nach Carboxylierung Calcium in der Knochenmatrix; MGP hemmt nach Carboxylierung die Ablagerung von Calcium in Arterien [s1, s2]. In einer dreijährigen placebokontrollierten RCT an postmenopausalen Frauen mit Osteopenie reduzierte MK-7 (180 µg/Tag) den altersabhängigen Rückgang der Knochenmineraldichte signifikant und verbesserte Knochenstrukturparameter [s3]. Untercarboxyliertes Osteocalcin sank in der MK-7-Gruppe um 65,2 % gegenüber 0,03 % in der Placebo-Gruppe [s4]. Für kardiovaskuläre Endpunkte liefert eine Frontiers-Meta-Analyse von 14 RCTs Hinweise auf eine Verlangsamung der arteriellen Versteifung [s7]. Eine große RCT (CIRCULATIONAHA 2021) fand bei Männern mit bereits fortgeschrittener Aortenklappenkalkung allerdings keinen signifikanten Effekt von 720 µg MK-7 + 25 µg Vitamin D auf den primären Endpunkt Aortenklappenkalk-Score [s8]. Die Evidenzlage für harte kardiovaskuläre Endpunkte gilt daher als unvollständig. Vitamin D3 erhöht den Bedarf an Vitamin K2, da es die Produktion Vitamin-K-abhängiger Proteine steigert; eine kombinierte Einnahme wird in der Fachliteratur diskutiert [s9, s10]. Das BfR weist ausdrücklich auf das Risiko von Wechselwirkungen mit Vitamin-K-Antagonisten hin und empfiehlt eine ärztliche Kontrolle für betroffene Personen [s12].
Rechtlicher Status (DE)
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Vitamin K2 MK-7 als rezeptfreies Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verkehrsfähig. Es unterliegt keinem Zulassungsverfahren als Arzneimittel. Das BfR empfiehlt eine Höchstmenge von 25 µg MK-7 pro Tagesverzehrempfehlung eines NEMs [s12]. In der EU wurde eine Novel-Food-Zulassung für bestimmte synthetische MK-7-Formen erteilt [s13].
Wirkmechanismus
MK-7 fungiert als Cofaktor der Gamma-Glutamylcarboxylase, einem Enzym, das Glutamatrest-Seitenketten in Vitamin-K-abhängigen Proteinen zu Gamma-Carboxyglutamat (Gla) umwandelt [s1, s2]. Dieser Carboxylierungsschritt ist notwendig, damit die Proteine Calcium binden können. Im Knochen aktiviert carboxyliertes Osteocalcin (cOC) die Einlagerung von Hydroxyapatit (Calciumphosphat) in die Knochenmatrix. Bei MK-7-Mangel zirkuliert überwiegend untercarboxyliertes Osteocalcin (ucOC), das diese Funktion nicht erfüllt [s3, s4]. MK-7-Supplementierung senkt ucOC messbar [s4]. In Gefäßwänden und Weichteilgeweben verhindert carboxyliertes MGP (Matrix-Gla-Protein) die Ablagerung von Calcium. Untercarboxyliertes MGP (dp-ucMGP) gilt als Biomarker für vaskuläres Verkalkungsrisiko [s7, s8]. MK-7 senkt dp-ucMGP in klinischen Studien signifikant [s7]. In der Gerinnungskaskade aktiviert Vitamin K Faktor II (Prothrombin), VII, IX und X sowie die antikoagulatorischen Proteine C und S. Diese Funktion erklärt die klinisch relevante Wechselwirkung mit Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin, Phenprocoumon) [s14, s15]. MK-7 hat durch seine lange Halbwertszeit (~72 h) eine ausgeprägtere extrahepatische Wirkung als MK-4, da es länger in Knochen-, Gefäß- und anderen peripheren Geweben zirkuliert [s5].
Dosierung
Knochengesundheit / Osteoporose-Prävention
- Dosis
- 180 µg MK-7
- Frequenz
- 1× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- langfristig (mind. 3 Jahre in Studiensetting)
- Timing
- vorzugsweise zu einer fetthaltigen Mahlzeit (fettlösliches Vitamin)
- Nahrungsaufnahme
- empfohlen
Vaskuläre Kalziumregulation / Arterielle Gesundheit
- Dosis
- 90–180 µg MK-7
- Frequenz
- 1× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- langfristig
- Timing
- zu einer fetthaltigen Mahlzeit
- Nahrungsaufnahme
- empfohlen
Allgemeine Versorgung / Kombination mit Vitamin D3
- Dosis
- 75–200 µg MK-7
- Frequenz
- 1× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- fortlaufend
- Timing
- gleichzeitig mit Vitamin D3-Gabe zu einer fetthaltigen Mahlzeit
- Nahrungsaufnahme
- empfohlen
Das BfR empfiehlt eine Höchstmenge von 25 µg MK-7 pro Tagesverzehrempfehlung in NEMs für die Allgemeinbevölkerung [s12]. CRN setzt den Höchstwert ohne beobachtete Nebenwirkungen bei 375 µg/Tag [s11]. In klinischen Studien wurden bis zu 720 µg/Tag ohne schwere unerwünschte Ereignisse eingesetzt [s8]. Selbstexperimente mit mehreren Tausend µg täglich sind mit Nebenwirkungsberichten assoziiert [c2].
MK-7 ist fettlöslich und sollte zwingend mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden, um die Resorption zu gewährleisten [s5]. Personen unter Vitamin-K-Antagonist-Therapie (Warfarin, Phenprocoumon/ Marcumar) dürfen MK-7 nur unter engmaschiger ärztlicher INR-Kontrolle einnehmen [s14, s15].
Nebenwirkungen
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Schwere |
|---|---|---|
| Herzpalpitationen, Herzrasen Mehrfach in Reddit-Threads bei Dosen ≥100 µg berichtet; mögliche Ursache ist eine Verschiebung des Calcium-Magnesium-Gleichgewichts oder Mobilisierung von Calcium durch verstärkte Osteocalcin-/MGP- Aktivierung [c1, c2, c3]. Klinische RCTs bei Dosen ≤180 µg zeigen dieses Phänomen nicht systematisch. | gelegentlich | moderat |
| Schlafstörungen, Nervosität, innere Unruhe In Community-Berichten wiederholt beschrieben, insbesondere bei höheren Dosen oder abendlicher Einnahme [c1, c3]. Mechanistisch nicht vollständig erklärt; möglicherweise individuelle Reaktion auf Calciumverschiebungen. | gelegentlich | leicht |
| Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerzen) In Toxizitätsstudien und klinischen Trials bei Standarddosen nicht als häufiges Ereignis verzeichnet [s11]. Einzelne Community-Berichte vorhanden [c1]. | selten | leicht |
| Störung der Antikoagulations-Einstellung (INR-Veränderung) Bereits 10 µg MK-7/Tag können die INR bei Patienten unter Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin, Marcumar/Phenprocoumon) klinisch relevant beeinflussen und zu thrombotischen Ereignissen führen [s14, s15]. | häufig | schwer |
| Allergische Reaktionen (Geraniol-Allergie) Synthetisches MK-7 aus Geraniol-Quellen kann bei entsprechend sensibilisierten Personen allergische Reaktionen auslösen [c4]. | selten | moderat |
Kontraindikationen
MK-7 antagonisiert den Gerinnungshemmer-Effekt von VKAs und kann die Antikoagulation vollständig aufheben, mit dem Risiko fataler Thromboembolien. Kontraindiziert ohne intensive INR-Überwachung durch Arzt [s14, s15].
Geraniol-basierte MK-7-Synthese kann bei sensibilisierten Personen allergische Reaktionen hervorrufen [c4].
Für hohe MK-7-Dosen in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Standarddosierungen gelten als unbedenklich [s11].
Wechselwirkungen
Synergistisch
Vitamin D3 steigert die Synthese Vitamin-K-abhängiger Proteine (Osteocalcin, MGP) und erhöht dadurch den Bedarf an MK-7 für deren vollständige Carboxylierung. Kombinierte Einnahme wird wissenschaftlich diskutiert und scheint für Knochen- und Gefäßgesundheit vorteilhafter als Einzelgabe [s9, s10].
MK-7 (via cOC und cMGP) reguliert die Calcium-Verteilung im Körper: Förderung der Einlagerung in Knochen, Hemmung der Ablagerung in Gefäßen. Kombinierte Supplementierung von Calcium und MK-7 ist sinnvoll, um Weichteilverkalkung zu minimieren [s1, s2].
Magnesium ist ein wichtiger Kofaktor für die Knochenmatrixbildung und wirkt ergänzend zu MK-7, das Osteocalcin carboxyliert. Die Kombination unterstützt die vollständige Knochenmineralisierung synergetisch.
Die Kombination von MK-7 mit Omega-3-Fettsäuren wird in der Praxis für Knochen- und Gefäßgesundheit empfohlen, da beide Substanzen entzündungshemmend und kardioprotektiv wirken. Omega-3 verbessert zudem als fettlöslicher Begleiter die Bioverfügbarkeit von MK-7.
Vorsicht
MK-7 vermindert den antikoagulatorischen Effekt von VKAs durch Kompetition am Vitamin-K-Zyklus. Bereits 10 µg/Tag können die INR klinisch signifikant verändern. Strikte Kontraindikation ohne ärztliche Überwachung [s14, s15].
Orlistat reduziert die Resorption fettlöslicher Vitamine einschließlich MK-7; bei gleichzeitiger Einnahme kann die Vitamin-K2-Versorgung unzureichend sein. Zeitlicher Abstand oder Dosisanpassung erforderlich [s11].
Breite Antibiotika können die intestinale Mikrobiota reduzieren, die Menaquinone produziert, und damit die endogene K2-Synthese beeinträchtigen. Klinische Relevanz bei kurzer Einnahme gering, bei Langzeitantibiose möglich [s6].
Bei Patienten unter Statin-Therapie kann der Vitamin-K2-Status verringert sein, da Statine den Mevalonat-Stoffwechselweg hemmen, der auch für Menaquinon-Synthese relevant ist. Eine ausreichende MK-7-Versorgung wird bei dieser Patientengruppe besonders empfohlen.
Studien
Tier A — Hohe Evidenz
Ergebnis: Vaskuläre Kalzifikation und arterielle Steifigkeit
Effektgröße: Signifikante Reduktion von dp-ucMGP; Hinweise auf Verlangsamung arterieller Versteifung; kein konsistenter Effekt auf Kalkscores in allen Subgruppen
Ergebnis: Knochenmineraldichte (BMD) Lendenwirbelsäule und Femurhals; Knochenstrukturparameter
Effektgröße: Signifikante Verlangsamung des BMD-Verlusts in MK-7-Gruppe (180 µg/Tag) vs. Placebo; Verbesserung des Hüftstärke-Index (p<0,05)
Ergebnis: Untercarboxyliertes Osteocalcin (ucOC) als Marker der Vitamin-K2-Aktivität
Effektgröße: ucOC-Senkung -65,2 ± 23,5 % (MK-7) vs. -0,03 ± 38,5 % (Placebo), p<0,01
Ergebnis: Änderung des Aortenklappenkalk-Scores (AVC)
Effektgröße: Kein signifikanter Unterschied im primären Endpunkt AVC-Score zwischen 720 µg MK-7 + 25 µg Vitamin D vs. Placebo; dp-ucMGP signifikant gesenkt (Biomarker-Endpunkt positiv)
Tier B — Mittlere Evidenz
Ergebnis: Synergismus Vitamin D und Vitamin K2 für Knochen- und Gefäßgesundheit
Effektgröße: Narrative Synthese; keine eigene Effektgröße
Ergebnis: Arterielle Verkalkung und kardiovaskuläre Mortalität
Effektgröße: Hohe K2-Zufuhr (v.a. MK-7) assoziiert mit ~50 % Reduktion arterieller Verkalkung und kardiovaskulärer Mortalität (Beobachtungsstudie, kein RCT)
Tier C — Niedrige Evidenz
Ergebnis: Sicherheit und Toxikologie von MK-7
Effektgröße: Kein toxisches Ereignis bei 5000 mg/kg Akutdosis (Tiermodell); kein unerwünschtes Ereignis bis 375 µg/Tag beim Menschen
Community-Evidenz
Häufigste gemeldete Vorteile
- Subjektiv stärkere Knochen / weniger Beschwerden bei Osteoporose
- Gute Ergänzung zu Vitamin D3, empfundene Synergie
- Reduktion von Muskelkrämpfen (anekdotisch)
- Allgemein gute Verträglichkeit bei niedrigen Dosen (≤100 µg)
Häufigste gemeldete Probleme
- Herzpalpitationen und Herzrasen, besonders bei höheren Dosen
- Schlafstörungen und innere Unruhe / Nervosität
- Intensive unangenehme Energie-/Unruhegefühle
- Unklarheit über korrekte Dosierung in vielen Produkten
Mehrere prominente Reddit-Threads warnen vor erheblichen Nebenwirkungen bei Fehl- oder Überdosierung (z.B. 5000 µg/Tag über Wochen) mit Symptomen wie Kurzatmigkeit und Herzpalpitationen [c2]. Einige Nutzer berichten, dass die Symptome erst nach Absetzen verschwinden [c2]. Die Wechselwirkung mit Blutverdünnern ist in deutschen Foren präsent, aber nicht ausreichend bekannt [c5]. Nutzer diskutieren, ob Magnesium- Ergänzung die Nebenwirkungen mildern kann [c3].
Wissenschaftliche Quellen
- Molecular Pathways and Roles for Vitamin K2-7 as a Health-Promoting Nutraceutical
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van Ballegooijen AJ, Pilz S, Tomaschitz A, et al. (2017). International Journal of EndocrinologyBPMID:29138634DOI
Community-Quellen
Lagerung
Ungeöffnet
Trocken und kühl (15–25 °C) lagern, vor direktem Licht und Wärme schützen.
Geöffnet
Flasche/Blister dicht verschlossen halten; Pulver- und Ölformen vor Feuchtigkeit und Licht schützen.
Hinweise
MK-7 ist lichtempfindlich und kann durch UV-Strahlung abgebaut werden. Öl-basierte Tropfenformulierungen nach Öffnung im Kühlschrank lagern und innerhalb des angegebenen Zeitraums verbrauchen.