Larazotid (Larazotid-Acetat)
PeptidDer medizinische Score (52) liegt deutlich über dem Community-Score (28), da klinische Phase-2-RCTs [s4, s5, s6] eine messbare Wirksamkeit bei Zöliakie zeigen, während die Biohacking-Community kaum Erfahrung mit der Substanz hat und kaum Nutzerberichte vorliegen [c1]. Die Diskrepanz spiegelt die typische Situation eines experimentellen Peptids wider, das überwiegend im klinischen, nicht im Selbstversuchskontext eingesetzt wurde.
Vollständige Informationen freischalten
Dosierungen, Nebenwirkungen, Studien und mehr — kostenlos nach Registrierung.
Kostenlos registrierenBewertungsskalen
TL;DR
Larazotid-Acetat ist das am besten untersuchte Peptid zur Regulierung intestinaler Permeabilität – vier Phase-2-RCTs bei Zöliakie-Patienten zeigen konsistente Symptomreduktion bei 0,5 mg dreimal täglich, und das Sicherheitsprofil ist bislang gut. Der entscheidende Haken: Die Phase-3-Studie wurde abgebrochen, eine Zulassung existiert nicht, und außerhalb klinischer Studien ist der Bezug nur über Graumarkt-Anbieter mit unbekannter Qualität möglich. Die Biohacking-Community hat diesen Stoff kaum auf dem Radar – weniger als zehn relevante Posts, ein einziger konkreter Erfahrungsbericht, und der war negativ. Wer Larazotid außerhalb einer Studie einnimmt, bewegt sich rechtlich in einer Grauzone und trägt das volle Qualitätsrisiko selbst.
Beschreibung
Synthetisches Oktapeptid, das als Zonulin-Antagonist die intestinale Barrierefunktion stabilisiert; klinisch vorwiegend bei Zöliakie untersucht, bislang nicht zugelassen [s1, s2].
Larazotid-Acetat (AT-1001, INN-202) ist ein synthetisches Oktapeptid, das ursprünglich aus dem Zonula-occludens-Toxin (ZOT) des Bakteriums Vibrio cholerae abgeleitet wurde [s2, s3]. Es wurde initial von der Universität Maryland und anschließend von Alba Therapeutics (gegründet von Alessio Fasano) entwickelt. Spätere Entwicklungsphasen lagen bei Innovate Biopharmaceuticals bzw. 9 Meters Biopharma [s3]. Der Wirkstoff gilt als erster Vertreter einer neuen Klasse von Tight-Junction-Regulatoren. Sein Hauptanwendungsgebiet in der klinischen Forschung war die Zöliakie (CeD): Er sollte als Ergänzung zur glutenfreien Diät (GFD) persistierende Symptome lindern und gluteninduzierte intestinale Schäden reduzieren [s4, s5]. In vier randomisierten, placebokontrollierten Phase-2-Studien wurde Larazotid-Acetat in verschiedenen Dosierungen (0,5 mg, 1 mg, 2 mg, bis 8 mg täglich) untersucht [s4, s5, s6]. Die Studien zeigten eine gute Verträglichkeit sowie eine Reduktion gastrointestinaler Symptome, insbesondere bei der Niedrigdosis (0,5 mg dreimal täglich). Verbesserungen im Laktulose/Mannitol-Verhältnis (LAMA-Ratio als Maß für intestinale Permeabilität) waren jedoch nur unter stationären Bedingungen reproduzierbar [s5, s7]. Eine Phase-3-Studie (NCT03569007) wurde vorzeitig eingestellt, bevor eine FDA-Zulassung beantragt werden konnte [s8]. Für andere Indikationen wie PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) liegen erste Pilotstudien vor [s9]. Eine EMA-Zulassung existiert nicht. Auf dem Graumarkt ist Larazotid-Acetat als „Forschungschemikalie" erhältlich, was mit erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsrisiken verbunden ist [s10].
Rechtlicher Status (DE)
Larazotid-Acetat ist weder in Deutschland noch in der EU als Arzneimittel zugelassen. Es existiert keine EMA- oder BfArM-Zulassung. Das Mittel befindet sich im klinischen Entwicklungsstadium (Phase 2 abgeschlossen, Phase 3 eingestellt). Außerhalb klinischer Studien gilt es in Deutschland als nicht zugelassene Forschungschemikalie; ein Kauf und Besitz zum Eigenverbrauch bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone [s1, s8].
Wirkmechanismus
Larazotid-Acetat wirkt als Antagonist am Zonulin-Rezeptor. Zonulin ist ein endogenes Protein, das nach intestinaler Gliadin-Exposition ausgeschüttet wird und eine Signalkaskade auslöst, die zur Demontage der Tight-Junction-Proteine (u. a. Occludin, Claudine, ZO-1) und zur Öffnung des parazellulären Weges führt [s1, s2]. Larazotid-Acetat blockiert diesen Rezeptor und verhindert so die zonulinvermittelte Erhöhung der intestinalen Permeabilität. Zusätzlich fördert die Substanz aktiv die Reassemblierung von Aktin-Filamenten und E-Cadherin rund um die Tight Junctions, was die epitheliale Barrierefunktion wiederherstellt [s1, s3]. Mechanistisch werden auch Einflüsse auf den EGF-Rezeptor (EGFR) und den Protease-aktivierten Rezeptor 2 (PAR-2) diskutiert [s3]. Durch die Stabilisierung der Darmbarriere wird die Translokation von Gliadinpeptiden in die Lamina propria und die daraus folgende Immunaktivierung (anti-tTG-Antikörper, T-Zell-Reaktion) reduziert [s4, s5]. Da Larazotid-Acetat nach oraler Gabe im menschlichen Serum selbst in hochempfindlichen Assays nicht nachweisbar ist, wirkt es offenbar ausschließlich lokal im Darmlumen ohne systemische Resorption [s8].
Dosierung
Symptomlinderung bei Zöliakie (Gluten-Challenge-Setting, klinische Studie)
- Dosis
- 0,5 mg
- Frequenz
- 3× täglich vor den Mahlzeiten
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- 12–26 Wochen (in Studien)
- Timing
- Vor dem Essen einnehmen
- Nahrungsaufnahme
- vermeiden
Höhere Dosierungen (Phase-2-Exploration, nicht empfohlen)
- Dosis
- 1 mg oder 2 mg
- Frequenz
- 3× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- 12 Wochen
- Timing
- Vor dem Essen einnehmen
- Nahrungsaufnahme
- vermeiden
In klinischen Studien wurden bis zu 8 mg/Tag getestet. Die beste Wirksamkeit zeigte die Dosis 0,5 mg dreimal täglich [s5]. Dosierungen außerhalb klinischer Studien sind mangels Zulassung nicht definiert und nicht empfohlen.
Larazotid-Acetat ist nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Eine Selbstmedikation ist in Deutschland nicht vorgesehen. Außerhalb von Studien verfügbare Produkte sind als Forschungschemikalien deklariert und ohne Qualitätskontrolle [s10].
Rekonstitution berechnen, Dosierung planen, Injektionstechnik nachschlagen
Nebenwirkungen
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Schwere |
|---|---|---|
| Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen) In RCTs war das Nebenwirkungsprofil mit Placebo vergleichbar; 51,2 % der Patienten berichteten mindestens ein unerwünschtes Ereignis, ähnlich wie in der Placebogruppe [s5]. GI-Symptome waren die häufigsten Ereignisse, oft schwer von Grunderkrankungssymptomen zu trennen [s4, s5]. | gelegentlich | leicht |
| Kopfschmerzen In Studien bei einem Teil der Patienten berichtet, jedoch ohne signifikante Häufung gegenüber Placebo [s4]. | gelegentlich | leicht |
| Exazerbation entzündlicher Beschwerden (z. B. Arthritis) Ein Community-Bericht beschreibt eine unmittelbare Arthritis-Exazerbation nach Einnahme; möglicher immunmodulatorischer Effekt bei vorbestehender Autoimmunerkrankung [c1]. | selten | moderat |
| Infektionen der oberen Atemwege In klinischen Studien vereinzelt berichtet; kein signifikanter Unterschied zu Placebo [s4]. | selten | leicht |
Kontraindikationen
Standardkontraindikation; keine spezifischen Allergiedaten aus Studien vorliegend [s4].
Keine Sicherheitsdaten für Schwangerschaft oder Stillzeit verfügbar; experimenteller Status erfordert Vorsicht [s4, s8].
Ein Fallbericht aus der Community beschreibt eine Arthritis-Exazerbation; der immunmodulatorische Mechanismus könnte bestehende Entzündungsprozesse beeinflussen [c1].
Für pädiatrische Anwendung außerhalb von Studien fehlen Sicherheits- und Dosierungsdaten; erste pädiatrische Pilotstudie (PIMS) ist verfügbar, aber nicht ausreichend für allgemeine Empfehlungen [s9].
Wechselwirkungen
Synergistisch
In allen klinischen Studien wurde Larazotid-Acetat als Ergänzung zur GFD eingesetzt. Kombination zeigte bessere Symptomkontrolle als GFD allein [s4, s5].
Probiotika fördern die Hochregulierung und Relokalisierung von Tight-Junction-Proteinen im Darmepithel. In Kombination mit Larazotid, das den Zonulin-Signalweg blockiert, könnten sich beide Mechanismen ergänzen und die Darmbarriere auf komplementäre Weise stärken.
BPC-157 fördert die Regeneration der Darmschleimhaut durch Kollagensynthese und antiinflammatorische Wirkung, während Larazotid spezifisch die Tight-Junction-Integrität sichert. Die Kombination beider Peptide wird als mechanistisch sinnvoller Ansatz zur Reparatur erhöhter Darmpermeabilität beschrieben.
KPV ist ein antiinflammatorisches Tripeptid, das intestinale Entzündungsprozesse dämpft. In Kombination mit Larazotid zur TJ-Stabilisierung wird diese Kombination in der Peptid-Praxis als synergistisches „Leaky-Gut-Protokoll" eingesetzt.
L-Glutamin ist der primäre Brennstoff für Enterozyten und fördert die Bildung von Tight Junctions sowie die Aufrechterhaltung der Darmbarriere. In Kombination mit Larazotid könnten beide Substanzen die Darmpermeabilität von verschiedenen Seiten reduzieren.
Berberin verbessert die Darmbarrierefunktion u.a. durch Modulation von TJ-Proteinen (Occludin) und wirkt gleichzeitig entzündungshemmend im Darm. Eine Kombination mit Larazotid könnte den Zonulin-Weg und die TJ-Expression parallel günstig beeinflussen.
Curcumin wirkt entzündungshemmend im Darm und kann die intestinale Barrierefunktion unterstützen. Zusammen mit Larazotid als TJ-Regulator könnte es die Kontrolle intestinaler Entzündungen und Permeabilität verbessern.
Apigenin besitzt entzündungshemmende Eigenschaften im Darm und kann die intestinale Barrierefunktion unterstützen. In Kombination mit Larazotid, das den Zonulin-Weg blockiert, könnten beide Substanzen die Darmgesundheit auf komplementäre Weise fördern.
Butyrat ist ein wichtiger Nährstoff für Kolonozyten und fördert die Expression von Tight-Junction-Proteinen sowie die Schleimhautintegrität. Zusammen mit Larazotid könnte es die Darmbarriere sowohl strukturell als auch regulatorisch stärken.
Vorsicht
Theoretische Interaktion durch additive Immunmodulation; keine klinischen Daten verfügbar [s1].
Mögliche Beeinflussung des lokalen intestinalen Milieus; keine Daten verfügbar. Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Substanzen mit ähnlichem intestinalen Wirkort [s1].
Betain-HCl erhöht die Magensäure und kann den pH-Wert im Magen deutlich senken. Da Larazotid als orales Peptid säureempfindlich ist, könnte eine gleichzeitige Einnahme mit Betain-HCl die Stabilität und Bioverfügbarkeit von Larazotid theoretisch verringern.
Proteolytische Verdauungsenzyme (z.B. Proteasen, Bromelain, Papain) könnten das oral eingenommene Larazotid-Peptid vorzeitig abbauen und damit dessen Wirksamkeit vermindern. Ein zeitlicher Abstand zwischen der Einnahme beider Substanzen wird empfohlen.
Studien
Tier A — Hohe Evidenz
Effektgröße: Primärendpunkt (mittlerer CeD-GSRS-Score während der Behandlung): 0,5-mg-Arm erfüllte den primären Endpunkt gegenüber Placebo (p signifikant, genaue Werte: −0,34 Punkte mittlere Differenz [95%-KI nicht aus Open-Access-Quellen extrahierbar – Volltextzugriff erforderlich]). Höhere Dosen (1 mg, 2 mg) zeigten keinen signifikanten Effekt.
Tier B — Mittlere Evidenz
Community-Evidenz
Häufigste gemeldete Vorteile
- Theoretisches Interesse als Darmpermeabilitäts-Regulator in Biohacking-Kreisen
- Einzelbericht über Versuch bei Autoimmunerkrankung
Häufigste gemeldete Probleme
- Arthritis-Exazerbation nach Einnahme (Einzelfall, r/Peptides)
- Kaum verfügbare Erfahrungsberichte
- Bezug nur über Graumarkt-Anbieter mit unbekannter Qualität
Die Community-Datenbasis ist extrem schmal (unter 10 relevante Posts identifiziert). Larazotid-Acetat wird in r/Peptides und deutschen Biohacker-Foren nur marginal diskutiert. Das einzige konkrete Nutzererlebnis beschreibt eine negative Reaktion [c1]. Der Graumarktbezug birgt erhebliche Qualitäts- und Sicherheitsrisiken [c2]. Eine belastbare Community-Bewertung ist derzeit nicht möglich.
Wissenschaftliche Quellen
- Larazotide acetate: a pharmacological peptide approach to tight junction regulation
Kaymak T, Farré R, Tack J, et al. (2021). American Journal of Physiology-Gastrointestinal and Liver PhysiologyBDOI - Buy Larazotide 5mg – Research Grade (vendor listing)
PeptidesSource (2024). PeptidesSource commercial listingDLink - Larazotide acetate for treatment of celiac disease: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Hoilat GJ, Altowairqi AK, Ayas MF et al. (2022). Clinics and Research in Hepatology and GastroenterologyBPMID:34339872DOI - Viral spike antigen clearance and augmented recovery in children with post-COVID multisystem inflammatory syndrome treated with larazotide
Yonker LM et al. (2025). Science Translational MedicineBPMID:40737433DOI - The safety, tolerance, pharmacokinetic and pharmacodynamic effects of single doses of AT-1001 in coeliac disease subjects: a proof of concept study
Paterson BM, Lammers KM, Arrieta MC, Fasano A, Meddings JB (2007). Alimentary Pharmacology & TherapeuticsBDOI - Larazotide (Wikipedia overview and ScienceDirect topics)
Wikipedia contributors (2024). Wikipedia / ScienceDirectCLink - Larazotide (AT-1001): Research Evidence & Safety Profile
PeptideInsight editorial team (2024). PeptideInsightCLink - Larazotide Acetate for Persistent Symptoms of Celiac Disease Despite a Gluten-Free Diet: A Randomized Controlled Trial
Leffler DA, Kelly CP, Green PH, et al. (2015). GastroenterologyAPMID:25683116DOI - A Randomized, Double-Blind Study of Larazotide Acetate to Prevent the Activation of Celiac Disease During Gluten Challenge
Kelly CP, Green PH, Murray JA, et al. (2013). American Journal of GastroenterologyAPMID:22825365DOI - Larazotide acetate for treatment of celiac disease: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Elli L, Branchi F, Sidhu R, et al. (2021). Clinical and Translational GastroenterologyAPMID:34339872DOI - Larazotide Acetate for Treatment of Celiac Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials
Mukherjee R, Kelly CP, Marchese A, et al. (2020). medRxiv (preprint)BDOI - Phase 3 study of larazotide acetate to treat celiac disease discontinued
Beyond Celiac editorial team (2020). BeyondCeliac.orgBLink - Klinische Studie findet sichere und wirksame Behandlung für Kinder mit PIMS (Larazotid)
Biermann Medizin Redaktion (2023). Biermann MedizinCLink
Community-Quellen
Lagerung
Ungeöffnet
Laut Herstellerangaben von Forschungschemikalien-Anbietern bei -20 °C oder 2–8 °C lagern; vor Licht schützen.
Geöffnet
Nach Anbruch bei 2–8 °C aufbewahren und zeitnah verwenden; genaue Stabilitätsdaten für rekonstituierte Lösungen nicht publiziert.
Hinweise
Da keine zugelassene Fertigarzneimittelform existiert, stammen Lagerhinweise ausschließlich von Forschungschemikalien-Anbietern ohne regulatorische Validierung [s10].