Eisen Bisglycinat
SupplementDie geringe Abweichung zeigt gute Übereinstimmung zwischen klinischer Evidenz [s1, s2] und Community-Erfahrungen [c1, c2]. Nutzer bestätigen die bessere Verträglichkeit aus den RCTs; leichte Überlegenheit im Community-Score durch starke persönliche Erfahrungen im Vergleich zu Eisensulfat.
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TL;DR
Eisen Bisglycinat ist eine chelatierte Eisenform, die über zwei intestinale Transportwege (DMT1 und PepT1) aufgenommen wird, was zu einer signifikant höheren Bioverfügbarkeit im Vergleich zu anorganischen Eisensalzen führt. Die duale Absorptionsroute, insbesondere die Aufnahme des intakten Chelats über PepT1, erklärt die überlegene gastrointestinale Verträglichkeit. Es eignet sich zur Prävention und Therapie von Eisenmangel und Eisenmangelanämie mit geringem Risikoprofil.
Beschreibung
Chelierte Eisenform mit hoher Bioverfügbarkeit und guter gastrointestinaler Verträglichkeit zur Vorbeugung und Behandlung von Eisenmangel [s1, s2].
Eisen Bisglycinat (auch: Ferrous Bisglycinate) ist eine chelatierte Eisenverbindung, bei der ein zweiwertiges Eisen(II)-Ion an zwei Moleküle der Aminosäure Glycin gebunden ist. Die chemische Formel lautet C₄H₈FeN₂O₄ [s3]. Diese Ringstruktur schützt das Eisen während der Magenpassage und ermöglicht eine Resorption über den Peptidtransporter PepT1 im Dünndarm, der auch für Dipeptide und Oligopeptide zuständig ist [s4, s5]. Im Vergleich zu anorganischen Eisensalzen wie Eisensulfat zeigt Eisen Bisglycinat in klinischen Studien eine bessere Bioverfügbarkeit und deutlich weniger gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verstopfung und Magenschmerzen [s1, s2]. Eine Metaanalyse von RCTs ergab, dass Eisen Bisglycinat bei Schwangeren effektiver als andere Eisensalze war, bei Kindern jedoch vergleichbare Wirksamkeit zeigte [s1]. Eisen ist essenziell für die Bildung von Hämoglobin und Myoglobin, den Sauerstofftransport sowie zahlreiche enzymatische Prozesse. Der tägliche Eisenbedarf beträgt für Männer ca. 10 mg, für Frauen vor der Menopause ca. 15 mg und in der Schwangerschaft bis zu 27–30 mg täglich [s6, s7]. Besondere Risikogruppen für Eisenmangel sind Schwangere, Frauen mit starker Menstruation, Kinder in Wachstumsphasen und Personen mit chronischen Darmerkrankungen. Die Chelat-Form bietet gegenüber Eisensulfat den Vorteil, dass die Absorption weniger stark durch Nahrungsbestandteile wie Phytate, Polyphenole oder Kalzium gehemmt wird [s5]. Therapeutisch werden bei Eisenmangelanämie Dosen von 60–120 mg elementares Eisen täglich eingesetzt; 25 mg Eisen als Bisglycinat wurde in Studien als so effektiv wie 50 mg Eisensulfat beschrieben [s1, s7].
Rechtlicher Status (DE)
In den DACH-Ländern ist Eisen Bisglycinat als rezeptfreies Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verkehrsfähig. Das BfR hat Höchstmengenempfehlungen für Eisen in NEMs herausgegeben und empfiehlt, die Einnahme von Eisenpräparaten ohne ärztliche Diagnose zu vermeiden [s10, s11]. Die EFSA hat 2024 den tolerierbaren Höchstwert für Eisen aus allen Quellen auf 40 mg/Tag für Erwachsene festgelegt [s9].
Wirkmechanismus
Eisen Bisglycinat wird im Dünndarm über zwei Wege aufgenommen: Einerseits über den klassischen DMT1-Transporter (Divalent Metal Transporter 1) nach Dissoziation des Chelats, andererseits – und dies ist der entscheidende Unterschied zu anorganischen Eisensalzen – über den Peptidtransporter PepT1, der das intakte Chelat als Dipeptid-Analogon erkennt und aufnimmt [s4, s5]. Dieser zweite Absorptionsweg ermöglicht eine von Nahrungsinhibitoren (Phytaten, Tanninen, Kalzium) weitgehend unabhängige Aufnahme [s5]. Nach der Resorption wird Eisen(II) in der Mukosazelle teils gespeichert (als Ferritin) und teils über Ferroportin ins Blut abgegeben, wo es an Transferrin gebunden transportiert wird. Das Hormon Hepcidin reguliert die Eisenfreisetzung aus Enterozyten und Makrophagen und passt die Absorption an den Körperbedarf an [s4]. Im Körper ist Eisen unentbehrlich für: Hämoglobin (Sauerstofftransport in Erythrozyten), Myoglobin (Sauerstoffspeicherung in Muskeln), Cytochrom-Enzyme der Atmungskette sowie die Synthese von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin [s6]. Die Glycin-Bindung schützt das Eisenion vor oxidativer Inaktivierung im Magen und reduziert den direkten Kontakt mit der Magenschleimhaut, was die deutlich bessere gastrointestinale Verträglichkeit im Vergleich zu Eisensulfat erklärt [s2, s3].
Dosierung
Prävention Eisenmangel (Erwachsene Frauen)
- Dosis
- 14–18 mg elementares Eisen
- Frequenz
- 1× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- fortlaufend
- Timing
- Nüchtern oder mit Vitamin-C-haltigem Getränk für bessere Absorption
- Nahrungsaufnahme
- optional
Eisenmangelanämie Therapie (Erwachsene)
- Dosis
- 60–120 mg elementares Eisen
- Frequenz
- 1–2× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- 3–6 Monate oder bis Ferritin normalisiert
- Timing
- Nüchtern, mind. 1–2 Stunden Abstand zu Kalzium, Kaffee, Tee
- Nahrungsaufnahme
- optional
Eisenprophylaxe in der Schwangerschaft
- Dosis
- 25–30 mg elementares Eisen als Bisglycinat
- Frequenz
- 1× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- Ab 2. Trimester bis Wochenbett
- Timing
- Nüchtern oder zwischen den Mahlzeiten
- Nahrungsaufnahme
- optional
Eisenmangel bei Kindern (6–12 Jahre)
- Dosis
- 2–3 mg/kg Körpergewicht elementares Eisen, max. 40 mg/Tag
- Frequenz
- 1× täglich
- Verabreichung
- oral
- Dauer
- 3 Monate, dann Kontrolle
- Timing
- Zwischen den Mahlzeiten
- Nahrungsaufnahme
- optional
Die EFSA (2024) empfiehlt einen tolerierbaren Höchstwert von 40 mg elementares Eisen pro Tag aus allen Quellen für Erwachsene (einschließlich Schwangere und Stillende) und maximal 35 mg/Tag für Jugendliche (15–17 Jahre) [s9]. Das BfR empfiehlt, eisenhaltige NEMs nur bei nachgewiesenem Mangel einzunehmen [s10, s11].
Eisen nicht gleichzeitig mit Kalzium, Kaffee, schwarzem Tee, Phytaten (Vollkornprodukte) oder bestimmten Antibiotika einnehmen. Vitamin C (50–100 mg) verbessert die Absorption. Schwarze Stuhlverfärbung ist ein normales und harmloses Phänomen [s8].
Nebenwirkungen
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Schwere |
|---|---|---|
| Schwarze Stuhlverfärbung Normales Phänomen durch nicht resorbiertes Eisen im Darm; klinisch nicht bedeutsam [s8]. | häufig | leicht |
| Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Magenschmerzen, Verstopfung) Signifikant seltener als bei Eisensulfat; bei Bisglycinat durch PepT1-Absorption und Schutz der Magenschleimhaut reduziert [s1, s2, s3]. | gelegentlich | leicht |
| Durchfall oder weicher Stuhl Vor allem bei höheren Dosen (>60 mg/Tag elementares Eisen) möglich [s8]. | gelegentlich | leicht |
| Sodbrennen oder Reflux Einzelberichte aus der Community; seltener als bei Eisensulfat, aber möglich [c1]. | selten | leicht |
| Eisenüberladung (Hämochromatose-Risiko) Bei genetischer Hämochromatose oder langfristiger Überdosierung ohne Bedarfsnachweis; potenziell organschädigend (Leber, Herz) [s9, s10]. | selten | schwer |
| Akute Eisenvergiftung (Überdosierung) Akzidentelle Einnahme hoher Dosen, besonders gefährlich für Kinder unter 6 Jahren; kann tödlich verlaufen [s8, s9]. | selten | schwer |
Kontraindikationen
Unkontrollierte Eisenakkumulation mit Organschäden an Leber, Herz und Pankreas. Absolute Kontraindikation für Eisensupplementierung ohne ärztliche Überwachung [s9, s10].
Eisengabe bei erhöhtem Hämolyseumsatz kann zu gefährlicher Eisenüberladung führen [s9].
Orales Eisen kann die intestinale Entzündung verstärken; bei aktivem Schub parenterale Eisengabe bevorzugen [s9].
Hohes Risiko einer akzidentellen Eisenvergiftung; Eisenpräparate sicher aufbewahren und nur unter ärztlicher Kontrolle verwenden [s8].
Weitere Eisenzufuhr verschlimmert Überladung und erhöht oxidativen Stress [s9, s10].
Wechselwirkungen
Synergistisch
Vitamin C (Ascorbinsäure) verbessert die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen erheblich, indem es Eisen(III) zu besser resorbierbarem Eisen(II) reduziert. Viele Eisenbisglycinat-Produkte enthalten Vitamin C als festen Bestandteil. Die Kombination ist besonders bei pflanzlichen Eisenquellen empfehlenswert.
Vorsicht
Quercetin hemmt als starkes Eisen-Chelat-Polyphenol die intestinale Nicht-Häm-Eisenabsorption und reguliert Eisenmetabolismus-Gene herunter. Mindestens 1–2 Stunden Abstand zur Eiseneinnahme einhalten.
Kalzium in Dosen von 300–600 mg kann die Absorption von Nicht-Häm-Eisen signifikant reduzieren. Kalzium- und Eisenpräparate sollten zeitlich getrennt eingenommen werden. Eisen morgens, Kalzium zu einer anderen Mahlzeit einnehmen.
Magnesiumsalze können die Eisenaufnahme im Darm beeinträchtigen, da beide Mineralien um ähnliche Transportwege konkurrieren. Ein zeitlicher Abstand von mindestens 1–2 Stunden zwischen der Einnahme wird empfohlen.
Hohe Eisendosen können die Kupferabsorption im Darm stören, da beide Spurenelemente um denselben Aufnahmemechanismus konkurrieren. Bei gleichzeitiger Supplementierung empfiehlt sich ein zeitlicher Abstand.
Polyphenole wie EGCG aus Grüntee hemmen die intestinale Nicht-Häm-Eisenabsorption. Grüntee oder Grüntee-Extrakte sollten nicht zeitgleich mit Eisenpräparaten eingenommen werden. Ein Abstand von mindestens 1–2 Stunden ist ratsam.
Eisen kann als mehrwertiges Kation die Resorption von L-Thyroxin beeinträchtigen, wenn Schilddrüsenhormone zusammen mit jodhaltigen Präparaten eingenommen werden. Bei Schilddrüsenmedikation sollte Eisen zeitlich getrennt (≥ 2 Stunden Abstand) eingenommen werden.
Studien
Tier A — Hohe Evidenz
Ergebnis: Hämoglobin- und Ferritinkonzentration; gastrointestinale Nebenwirkungen
Effektgröße: Signifikante Überlegenheit gegenüber anderen Eisensalzen bei Hb (SMD=0,49) in Schwangeren; bei Kindern vergleichbare Wirksamkeit. Weniger GI-Ereignisse in Bisglycinat-Gruppe.
Ergebnis: Hämoglobin- und Ferritinspiegel; gastrointestinale Verträglichkeit
Effektgröße: 25 mg Eisen als Bisglycinat gleichwertig zu 50 mg Eisensulfat bei signifikant weniger gastrointestinalen Nebenwirkungen in der Bisglycinat-Gruppe.
Tier B — Mittlere Evidenz
Ergebnis: Intestinale Absorption und Metabolismus von Eisenaminosäurechelaten
Effektgröße: Signifikant erhöhte Absorption aus Chelaten vs. anorganischen Salzen; mukosaler Regulationsmechanismus nachgewiesen.
Ergebnis: Mechanismus der Eisenabsorption aus Aminosäurechelaten
Effektgröße: Nachweis von PepT1-vermittelter Absorption; geringere Hemmung durch Nahrungsinhibitoren als bei Eisensulfat.
Tier C — Niedrige Evidenz
Ergebnis: Bioverfügbarkeit und gastrointestinale Verträglichkeit verschiedener Eisenformen
Effektgröße: Ferrous Bisglycinate zeigte im Vergleich zu FeSO₄ bessere Verträglichkeit und vergleichbare Bioverfügbarkeit im Tiermodell.
Community-Evidenz
Häufigste gemeldete Vorteile
- Deutlich bessere gastrointestinale Verträglichkeit als Eisensulfat
- Schnelle Verbesserung von Ferritin- und Hämoglobinwerten
- Kein oder kaum Verstopfungsproblem
- Mehr Energie und Reduktion von Erschöpfungssymptomen nach 2–4 Wochen
- Gute Einnahme auch auf nüchternen Magen möglich
Häufigste gemeldete Probleme
- Gelegentliche Blähungen oder leichter Reflux bei manchen Anwendern
- Bei manchen keine spürbare Energieverbesserung trotz steigender Ferritinwerte
- Höherer Preis im Vergleich zu Eisensulfat-Präparaten
- Schwarze Stuhlverfärbung beunruhigt manche Anwender (obwohl harmlos)
Vereinzelte Berichte über anhaltende Müdigkeit trotz 6-monatiger Einnahme; in diesen Fällen sollten andere Ursachen (B12-Mangel, Schilddrüsenfunktion) abgeklärt werden [c1]. Stiftung Warentest stuft viele OTC-Eisenpräparate als „wenig sinnvoll" ein, da sie die BfR-Empfehlungen zur Höchstmenge überschreiten [s11]. Selbstmedikation ohne Eisenstatusdiagnostik wird von Experten kritisch gesehen [s10, s11].
Wissenschaftliche Quellen
- The effects of oral ferrous bisglycinate supplementation on hemoglobin and ferritin concentrations in adults and children: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Cepeda M, Chacón-Labella J, Moran-Llorente V, et al. (2023). American Journal of Clinical NutritionAPMID:36728680DOI - Verwendung von Eisen in Nahrungsergänzungsmitteln und zur Anreicherung von Lebensmitteln
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2022). BfR-StellungnahmeALink - Stiftung Warentest: Eisen-Präparate nicht in Eigenregie nehmen
Pharmazeutische Zeitung / Stiftung Warentest (2023). Pharmazeutische ZeitungBLink - Comparative study of the effects of different iron sources on bioavailability and gastrointestinal tolerability in iron-deficient rats
Authors not individually specified in search results (2025). Scientific ReportsCDOI - Effect of supplementation with ferrous sulfate or iron bis-glycinate chelate on ferritin concentration in Mexican schoolchildren: a randomized controlled trial
Pineda O, Ashmead HD, Lemus CP, et al. (2014). Nutrition JournalALink - Low-dose ferrous bisglycinate chelate supplementation in chronic kidney disease and hemodialysis patients
Authors not individually specified in search results (2022). Journal of the Chinese Medical AssociationBLink - Iron Transport from Ferrous Bisglycinate and Ferrous Sulfate in DMT1-Knockout Human Intestinal Caco-2 Cells
Pizarro F, Olivares M, Arredondo M, Gaitán D, Mackenzie GG, Flores S, Lönnerdal B (2019). NutrientsCLink - Multicenter randomized double-blind trial: ferrous bisglycinate 25 mg vs. ferrous sulfate 50 mg in pregnant women with latent iron deficiency
Not individually identified in search results (2025). Not specified (reported via NahrungsHub)ALink - Ferrous Bisglycinate: USP, Application & Industrial Uses
WBCIL Editorial Team (2024). WBCIL Technical ResourcesCLink - The absorption and metabolism of iron amino acid chelate
Ashmead HD (2001). Archivos Latinoamericanos de NutricionBPMID:11688075 - Iron Amino Acid Chelates
Pineda O, Ashmead HD, Perez JM, et al. (2005). International Journal for Vitamin and Nutrition ResearchBPMID:15743019 - The absorption and metabolism of iron amino acid chelate
Ashmead HD (2001). Archivos Latinoamericanos de Nutricion / SciELOBLink - Ferrous bisglycinate 25 mg iron is as effective as ferrous sulfate 50 mg iron in the prophylaxis of iron deficiency and anemia during pregnancy in a randomized trial
Milman N, Jønsson L, Dyre P, et al. (2014). Journal of Perinatal MedicineADOI - Iron Supplements (Ferosul, Slow Fe, and others): Uses, Side Effects, Interactions – Drug Information
WebMD Medical Editorial Team (2024). WebMD Drug ReferenceCLink - Scientific opinion on the tolerable upper intake level for iron
EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA) (2024). EFSA JournalAPMID:38868106DOI
Community-Quellen
Lagerung
Ungeöffnet
Trocken, kühl (unter 25°C), lichtgeschützt lagern.
Geöffnet
Behälter dicht verschlossen halten; vor Feuchtigkeit schützen.
Hinweise
Eisenpräparate sicher und unzugänglich für Kinder aufbewahren. Akzidentelle Überdosierungen bei Kleinkindern können lebensbedrohlich sein [s8].